Cetearyl Alcohol
Verdickt die Formel und sorgt für eine cremige Textur.
Kurzübersicht
- Funktion
- Fettalkohol, Konsistenzgeber
- Herkunft
- Pflanzlich oder synthetisch
- Produktbereiche
- Haarpflege, Haarfarbe, Glättungsmittel
Was es ist
Cetearyl Alcohol ist kein einzelner Stoff, sondern eine Mischung aus Cetylalkohol und Stearylalkohol — genau den beiden, die in diesem Lexikon auch einzeln stehen. Bei Raumtemperatur ist es ein weißes Wachs. Es gibt Cremes ihren Körper, macht Spülungen streichfähig und sorgt dafür, dass eine Emulsion nicht wieder auseinanderfällt.
Der Name verursacht das häufigste Missverständnis im ganzen Lexikon. „Alcohol“ bedeutet hier nur, dass das Molekül eine OH-Gruppe trägt. Ethanol, in Zutatenlisten als Alcohol Denat., hat zwei Kohlenstoffatome, verdunstet und trocknet tatsächlich aus. Cetearyl Alcohol hat sechzehn bis achtzehn, ist bei Zimmertemperatur fest und verdunstet nicht. Gleiche Wortendung, gegenteiliges Verhalten.
Einordnung
- Ergebnis
- Sehr niedriges Risiko
- Vertrauen
- mittel
- Evidenz
- C — begrenzte Evidenz
- Bezogen auf
- Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; ausspülbare Pflege, eine Haarfarbe und ein Glättungsmittel; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert
Warum
- Warum die Einordnung „sehr niedriges Risiko“ lautet: Das Molekül ist groß, fettartig und in Wasser kaum löslich. Es bleibt an der Oberfläche, wird äußerlich angewendet und überwiegend wieder ausgespült. Es ist der Stoff, der dem Produkt seinen Körper gibt, und keiner, der in die Haut eindringen soll.
- Der Namensirrtum ist der eigentliche Grund für diesen Datensatz. Wer „Alcohol“ in der Liste sieht und an austrocknenden Alkohol denkt, liegt hier falsch. Fettalkohole sind Wachse; sie wirken rückfettend statt entfettend. Der Stoff, der tatsächlich austrocknen kann, steht in diesem Lexikon unter Alcohol Denat. und hat mit diesem hier außer der Wortendung nichts gemein.
- Cetearyl Alcohol ist die Mischung aus Cetylalkohol und Stearylalkohol. In fünf Produkten dieses Lexikons stehen trotzdem alle drei nebeneinander in derselben Zutatenliste. Das ist keine Doppelung: In aller Regel bedeutet es, dass mehrere Rohstoffe eingesetzt wurden — eine fertige Mischung plus einzelne Alkohole, um das Verhältnis der Kettenlängen und damit die Konsistenz einzustellen. Sicher ablesbar ist das aus der Liste nicht, aber es ist die naheliegende Erklärung.
- Herkunft korrigiert: Das Kurzfeld nannte bis zum 10.09.2026 „pflanzlich“. Fettalkohole werden auf zwei industriellen Wegen hergestellt — aus Palmkern- oder Kokosöl, oder petrochemisch aus Ethylen. Welcher Weg beim konkreten Rohstoff gewählt wurde, steht nicht in der Zutatenliste. Das Kurzfeld lautet jetzt in allen vier Sprachen „pflanzlich oder synthetisch“.
- Und wer die pflanzliche Herkunft für die bessere hält, sollte genauer hinsehen. Eine Lebenszyklusanalyse von 2016 hat beide Wege verglichen und für den Weg über Palmkernöl eine deutlich höhere Treibhausgasbilanz gefunden als für den petrochemischen — Ursache ist die Landnutzungsänderung für die Plantagen. Das ist eine Umweltaussage und keine Gesundheitsaussage, aber es ist ein gutes Beispiel dafür, dass „pflanzlich“ nicht automatisch „besser“ heißt.
Wann die Einordnung abweicht
- Sehr feines Haar: Konsistenzgeber bauen auf. Das Kurzfeld versprach bis zum 10.09.2026 eine cremige Textur „ohne zu beschweren“ — dieser Zusatz ist gestrichen, weil er sich für feines Haar nicht halten lässt.
- Bestehendes Ekzem oder vorgeschädigte Haut: Kontaktallergien gegen Cetylstearylalkohol sind beschrieben, vor allem bei chronisch geschädigter Haut. Sie sind selten, für die betroffene Person aber entscheidend.
- Produkte, die auf dem Haar verbleiben: Bei Haarfarbe und Glättungsmittel endet die Kontaktzeit nicht mit dem Ausspülen.
- Beruflicher Kontakt: tägliche Anwendung an vielen Köpfen bedeutet eine höhere Gesamtbelastung an den Händen.
- Wer Palmöl aus Nachhaltigkeitsgründen meidet: Die Zutatenliste sagt nicht, welcher Rohstoff verwendet wurde. Diese Auskunft gibt nur der Hersteller.
Offene Punkte
- Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor. Bei Konsistenzgebern sind hohe Anteile üblich.
- Herstellungsweg und Verhältnis der Kettenlängen im konkreten Rohstoff: nicht dokumentiert. Beides bestimmt die Konsistenz und ist aus der Zutatenliste nicht ablesbar.
- Häufigkeit von Kontaktallergien gegen Cetylstearylalkohol: hier nicht mit Zahlen ausgewertet.
- Die genannte Lebenszyklusanalyse ist hier nicht im Volltext geprüft. Richtung und Begründung des Ergebnisses sind der Zusammenfassung entnommen; genaue Zahlenwerte und Systemgrenzen stehen unter Vorbehalt.
- Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.
Quellen zur Einordnung
Verwandte Stoffe
Bezogen auf: Fettalkohole und Konsistenzgeber
- Cetyl Alcohol — Fettalkohol, Pflege
- Stearyl Alcohol — Fettalkohol, Konsistenzgeber
Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.
Einordnung zuletzt geprüft:
Erfasst in folgenden Produkten
Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.
- Status Quo, Aqua Boost, Power Build, Soothe Plus, Rep-Hair
- Power Build Treatment, Aqua Boost
- Schwarzkopf IGORA ROYAL Absolutes
- Schwarzkopf Strait Styling Glatt
Belegquellen für das Vorkommen
- Manual OCS Salon Manual Care 2026 Vom Auftraggeber bereitgestelltes Fachmanual
- Hersteller Schwarzkopf Professional IGORA ROYAL Absolutes Offizielle Quelle öffnen
- Hersteller Schwarzkopf Professional Strait Styling Glatt Offizielle Quelle öffnen