Inhaltsstoff

Potassium Persulfate

Ermöglicht die Aufhellung der Haarpigmente in Blondierungen und Aufhellern.

Kurzübersicht

Funktion
Oxidationsmittel, Bleichmittel
Herkunft
Synthetisch
Produktbereiche
Haarfarbe

Was es ist

Kaliumpersulfat ist der Stoff, der Blondierpulver seine Kraft gibt. Wasserstoffperoxid allein hellt nur begrenzt auf; erst die Persulfate im Pulver treiben den Vorgang so weit, dass mehrere Stufen in einem Arbeitsgang möglich werden. Ohne sie gäbe es kein Blondierpulver in der heutigen Form.

Dieser Datensatz unterscheidet sich von allen anderen im Lexikon in einem Punkt: Der bestbelegte Befund betrifft nicht die Kundin, sondern die Person, die das Pulver anrührt. In der arbeitsmedizinischen Literatur gelten Persulfate als Hauptursache berufsbedingter Nasen- und Atemwegsbeschwerden im Friseurhandwerk — und der maßgebliche Weg ist nicht die Haut, sondern die eingeatmete Luft beim Mischen.

Einordnung

Ergebnis
Erhöhte Aufmerksamkeit
Vertrauen
mittel
Evidenz
B — gut belegt
Bezogen auf
Kosmetik, Anwendung am Haar; hier Blondierpulver, das vor der Anwendung angerührt und nach der Einwirkzeit ausgespült wird; die berufliche Belastung beim Anrühren ist ein eigener, hier ausdrücklich mitbewerteter Weg; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert

Warum

  • Warum die Einordnung „erhöhte Aufmerksamkeit“ lautet: Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 hat 42 Studien aus zwei Jahrzehnten ausgewertet. Ergebnis: Persulfate gelten als Hauptursache berufsbedingter Rhinitis und Asthma bei Friseurinnen und Friseuren und in einigen europäischen Ländern als eine der häufigsten Ursachen für Berufsasthma überhaupt.
  • Die Größenordnung ist beachtlich. Eine der ausgewerteten Langzeitstudien fand bei Beschäftigten ab 40 Jahren ein bis zu knapp vierfach erhöhtes Risiko für pfeifende Atmung und Atemnot gegenüber einer Vergleichsgruppe, und ein etwa zwanzigfach erhöhtes Risiko, überhaupt Atemwegsbeschwerden im Zusammenhang mit Blondierpulver zu entwickeln.
  • Der entscheidende Weg ist das Einatmen, nicht der Hautkontakt. Beim Anrühren des Pulvers entsteht Staub. Genau darauf zielen die üblichen Maßnahmen: getrennter Anrührbereich, Lüftung oder Absaugung, staubarme Zubereitungen. Für die Kundin ist der Vorgang kurz und findet nicht über der Schüssel statt.
  • Staubarmes Pulver ist kein Freibrief. Eine schwedische Untersuchung an Betroffenen mit blondierbedingter Rhinitis fand, dass der Wechsel auf staubarmes Pulver die Beschwerden nicht zuverlässig verhindert. Die Erwartung, dass staubärmere, cremige oder gebrauchsfertige Zubereitungen die Belastung senken, nennt die Übersichtsarbeit plausibel, aber in tatsächlichen Expositionsstudien noch nicht bestätigt.
  • Der Stoff ist im Ergebnis nicht mehr enthalten. Persulfate werden beim Aufhellen verbraucht; was im Haar bleibt, ist die Veränderung an der Faser, nicht der Stoff. Das ist derselbe Gedanke wie bei Wasserstoffperoxid und der Grund, warum sich die Aufmerksamkeit auf die Anwendungsphase richtet und nicht auf das Ergebnis.

Wann die Einordnung abweicht

  • Beschäftigte im Salon: Sie sind die Gruppe, auf die sich die Befunde beziehen. Wer täglich anrührt, trägt die höchste Belastung im Raum.
  • Auszubildende und Berufseinsteigerinnen: Die Literatur betrachtet sie gesondert, weil die Belastung früh beginnt und sich Beschwerden oft erst nach Jahren zeigen.
  • Bestehendes Asthma, allergische Rhinitis oder Heuschnupfen: Vorbestehende Empfindlichkeit der Atemwege senkt die Schwelle.
  • Kundinnen und Kunden: kurze, seltene Belastung, kein Anrühren. Die Einordnung gilt auch hier, ihr Schwerpunkt liegt aber nicht auf dieser Seite.
  • Gereizte oder verletzte Kopfhaut: Die angerührte Mischung ist alkalisch und oxidierend; auf vorgeschädigter Haut fällt das stärker ins Gewicht.

Offene Punkte

  • Konzentration im konkreten Pulver und in der angerührten Mischung: liegt nicht vor.
  • Häufigkeit von Hautreaktionen gegen Kaliumpersulfat im Unterschied zum verwandten Ammoniumpersulfat: hier nicht ausgewertet. Die herangezogenen Zahlen betreffen die Atemwege.
  • Wirksamkeit einzelner Schutzmaßnahmen im Salon: Die Übersichtsarbeit hält ausdrücklich fest, dass die erwartete Entlastung durch staubarme oder cremige Zubereitungen in tatsächlichen Expositionsstudien noch nicht bestätigt ist.
  • Belastung der Kundin bei einem einzelnen Termin: nicht beziffert. Die ausgewerteten Studien betrachten die berufliche Dauerbelastung.
  • Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung, Höchstmengen und Arbeitsplatzgrenzwerten werden nicht aus zweiter Hand zitiert.

Quellen zur Einordnung

Bezogen auf: Oxidationsmittel

Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.

Einordnung zuletzt geprüft:

Erfasst in folgenden Produkten

Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.

  • OCS Naturlite Powder

Belegquellen für das Vorkommen

  • Manual OCS Salon Manual Colour 2026 Vom Auftraggeber bereitgestelltes Fachmanual

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