Inhaltsstoff

Propylene Glycol

Bindet Feuchtigkeit und verbessert die Verteilung der Formulierung.

Kurzübersicht

Funktion
Feuchthaltemittel / Lösungsvermittler
Herkunft
Synthetisch oder pflanzlich abgeleitet
Produktbereiche
Haarpflege, Haarstyling, Haarfarbe, Glättungsmittel

Was es ist

Propylenglykol bindet Wasser, hält Rezepturen geschmeidig und löst Stoffe an, die sich in reinem Wasser nicht lösen würden. Es steht in acht Produkten dieses Lexikons, von Shampoos über Stylingprodukte bis zu Haarfarbe und Glättungsmittel.

Beim Namen kommt regelmäßig der Einwand, das sei doch Frostschutzmittel. Das stimmt sogar — Propylenglykol wird in Frostschutzmitteln verwendet. Nur ist es dort ausgerechnet der ungefährliche Ersatz für Ethylenglykol, ein anderes Molekül, das die bekannten Vergiftungsfälle verursacht hat. Der tatsächlich belegte Punkt bei Propylenglykol ist ein ganz anderer: Es ist ein vergleichsweise häufiges Kontaktallergen.

Einordnung

Ergebnis
Niedriges Risiko
Vertrauen
mittel
Evidenz
B — gut belegt
Bezogen auf
Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; ausspülbare Produkte ebenso wie Stylingprodukte, Haarfarbe und Glättungsmittel; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert

Warum

  • Warum die Einordnung „niedriges Risiko“ lautet und nicht „sehr niedrig“: In einer Auswertung der North American Contact Dermatitis Group über zehn Jahre wurden 23.359 Personen getestet. 810 von ihnen, also 3,5 Prozent, zeigten eine allergische Reaktion. Bei 88,3 Prozent dieser Reaktionen wurde ein aktueller Bezug zum Beschwerdebild gesehen, und die häufigste Quelle waren Körperpflegeprodukte. Damit liegt Propylenglykol deutlich über Phenoxyethanol und Ethylhexylglycerin.
  • Der Frostschutz-Einwand ist wörtlich richtig und trotzdem ohne Aussagekraft. Wo ein Stoff sonst noch vorkommt, sagt nichts über seine Verträglichkeit auf der Haut. Entscheidend ist außerdem die Verwechslung: Die Vergiftungsfälle, die den Ruf des Frostschutzmittels begründen, gehen auf Ethylenglykol zurück. Propylenglykol ist der Stoff, der dort gerade deshalb eingesetzt wird, weil er ungefährlicher ist.
  • Reizung und Allergie sind bei diesem Stoff schwer zu trennen, und das ist selbst ein Befund. Die Mehrzahl der Hautreaktionen auf Propylenglykol ist reizender und nicht allergischer Natur, und die richtige Testkonzentration ist fachlich umstritten: Sie muss hoch genug sein, um eine Allergie zu zeigen, ohne selbst zu reizen. 2018 wurde der Stoff von der amerikanischen Fachgesellschaft für Kontaktdermatitis zum Allergen des Jahres erklärt.
  • Für den Salon ist die Verteilung im Bestand aufschlussreich. Propylenglykol steht hier nicht nur in ausspülbaren Shampoos, sondern auch in Gel, Definer, Haarfarbe und Glättungsmittel — also in Produkten, die auf der Haut verbleiben, und in solchen, bei denen die Kopfhaut ohnehin belastet ist. Beides erhöht die Bedeutung des Befundes gegenüber einer reinen Ausspülanwendung.
  • Die Herkunftsangabe bleibt unverändert. Das Kurzfeld nennt „synthetisch oder pflanzlich abgeleitet“, und das trifft zu: Beide Wege werden industriell genutzt, und aus der Zutatenliste ist keiner ablesbar. Auf die Einordnung wirkt sich die Herkunft ohnehin nicht aus — die Kontaktallergie richtet sich gegen das Molekül, nicht gegen seine Vorgeschichte.

Wann die Einordnung abweicht

  • Bekannte Kontaktallergie gegen Propylenglykol: Dann ist das Produkt ungeeignet. Der Stoff taucht unter mehreren Bezeichnungen auf, was das Meiden erschwert.
  • Neurodermitis: In einer Auswertung an Kindern zeigten Betroffene häufiger positive Testergebnisse auf Propylenglykol als Kinder ohne Neurodermitis.
  • Kortisonhaltige Cremes und Salben: Propylenglykol ist dort ein häufiger Hilfsstoff. Wer auf ein solches Präparat reagiert, sollte den Hilfsstoff mitdenken — die Einschätzung im Einzelfall gehört in ärztliche Hand.
  • Produkte, die auf Haut und Haar verbleiben: Bei Gel, Definer und Glättungsmittel endet die Kontaktzeit nicht mit dem Ausspülen.
  • Beruflicher Kontakt: tägliche Anwendung an vielen Köpfen bedeutet eine höhere Gesamtbelastung an den Händen.

Offene Punkte

  • Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor. Sie ist hier besonders wichtig, weil die Reizwirkung dosisabhängig ist.
  • Trennung zwischen Reizung und echter Allergie: Mit den vorliegenden Zahlen nicht sauber möglich. Die Testkonzentration ist fachlich umstritten, und ein Teil der positiven Ergebnisse dürfte reizbedingt sein.
  • Übertragbarkeit der nordamerikanischen Zahlen auf Europa: nicht geprüft. Testreihen an Hautkliniken bilden zudem eine vorausgewählte Gruppe ab.
  • Anteil der Kosmetik an der Gesamtbelastung: offen. Propylenglykol ist auch in Arzneimitteln, Lebensmitteln und Haushaltsprodukten verbreitet.
  • Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.

Quellen zur Einordnung

Bezogen auf: Feuchthaltemittel

  • Glycerin — Feuchtigkeit, Humektant
  • Panthenol — Feuchtigkeit, Pflege (Provitamin B5)

Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.

Einordnung zuletzt geprüft:

Erfasst in folgenden Produkten

Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.

  • Wella Nutricurls Micellar Curls Shampoo
  • Kérastase Première Bain Décalcifiant Réparateur
  • Kérastase Chroma Absolu Bain Chroma Respect
  • Schwarzkopf SESSION LABEL The Definer
  • Matrix Controller Gel
  • Matrix Over Achiever 3-in-1
  • Schwarzkopf IGORA ROYAL Absolutes
  • Schwarzkopf Strait Styling Glatt

Belegquellen für das Vorkommen

← Zurück zum Inhaltsstoff-Lexikon