Tetrasodium EDTA
Bindet Metallionen und hält die Rezeptur dadurch stabil.
Kurzübersicht
- Funktion
- Komplexbildner
- Herkunft
- Synthetisch
- Produktbereiche
- Haarfarbe
Was es ist
Tetrasodium EDTA ist ein Komplexbildner: Es umschließt Metallionen und nimmt ihnen ihre Reaktionsfähigkeit. In Haarfarben und Blondierungen ist das der entscheidende Punkt. Spuren von Eisen und Kupfer aus dem Leitungswasser beschleunigen den Zerfall von Wasserstoffperoxid; das kostet Haltbarkeit und führt zu ungleichmäßigen Ergebnissen. EDTA fängt diese Spuren ab.
Der Stoff wird hergestellt, nicht gewonnen: aus Ethylendiamin, Formaldehyd und einer Cyanidquelle. Das klingt beunruhigender, als es ist — die Ausgangsstoffe werden bei der Reaktion verbraucht und sind im fertigen Salz nicht mehr enthalten. Bewertet wird das Endprodukt. Die berechtigte Frage betrifft ein Nebenprodukt des einstufigen Verfahrens, die Nitrilotriessigsäure, und damit die Reinheit des Rohstoffs.
Einordnung
- Ergebnis
- Niedriges Risiko
- Vertrauen
- mittel
- Evidenz
- C — begrenzte Evidenz
- Bezogen auf
- Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; hier Haarfarbe, nach der Einwirkzeit ausgespült; die Einordnung oben bezieht sich auf die gesundheitliche Seite, die Umweltseite steht als eigener Befund darunter; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert
Warum
- Der wichtigste Befund zu diesem Stoff betrifft nicht die Haut, sondern das Wasser. EDTA baut sich in der Umwelt schlecht ab, passiert Kläranlagen weitgehend unverändert und gehört zu den vom Menschen eingetragenen Stoffen mit den höchsten Konzentrationen in europäischen Binnengewässern. Die Einordnung „niedriges Risiko“ oben bezieht sich ausdrücklich auf die Anwendung an Haut und Haar, nicht auf die Umweltseite.
- Der Grund für die Umweltwirkung ist derselbe wie der Grund für den Nutzen: EDTA bindet Metalle sehr fest und ist chemisch sehr stabil. Im Gewässer kann es dadurch Metalle aus Sedimenten wieder beweglich machen. Diese Eigenschaft lässt sich nicht abstellen, ohne die Funktion zu verlieren.
- Für die Haut ist die Lage anders. Das Molekül ist stark wasserlöslich und dringt schlecht in die Haut ein; in der ausspülbaren Anwendung ist die Kontaktzeit kurz. In dieser Rolle steht der Stoff zudem in kleiner Menge — er soll Metallspuren binden, nicht das Produkt aufbauen.
- Kurzfelder korrigiert: Sie nannten bis zu dieser Einordnung „Formulierungsbestandteil“ als Funktion und eine je nach Rohstoff natürliche oder synthetische Herkunft. Das erste war zu unbestimmt, das zweite falsch: EDTA ist ein Komplexbildner und wird durchgängig synthetisch hergestellt. Funktion, Herkunft und Begründung wurden in allen vier Sprachen korrigiert.
- Es gibt besser abbaubare Komplexbildner, etwa auf Basis von Glutaminsäure. In diesem Lexikon steht mit Tetrasodium Glutamate Diacetate ein solcher Stoff unmittelbar daneben. Ob er im konkreten Produkt dieselbe Leistung bringt, ist eine Frage der Rezeptur und hier nicht geprüft.
Wann die Einordnung abweicht
- Gereizte oder offene Kopfhaut: Bei Haarfarbe ist die Kopfhaut ohnehin belastet; ein zusätzlicher Stoff fällt dort stärker ins Gewicht als auf intakter Haut.
- Beruflicher Kontakt: Wer täglich Farbe anrührt und aufträgt, hat eine deutlich höhere Gesamtexposition an den Händen als der Kunde am Kopf.
- Produkte, die auf der Haut verbleiben: Die Einordnung geht von ausspülbarer Anwendung aus. Dort verlängert sich die Kontaktzeit erheblich.
- Salons, die sich mit ihrem Abwasser befassen: Die Umweltseite ist für einen Betrieb wichtiger als für einen einzelnen Haushalt, weil sich viele Anwendungen an einer Stelle summieren.
- Sehr hartes Wasser: Dann ist der Bedarf an Komplexbildnern höher; das ist ein Grund für ihren Einsatz, keine Entwarnung für die Umweltwirkung.
Offene Punkte
- Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor. Komplexbildner werden üblicherweise in kleiner Menge eingesetzt; wie klein, steht nirgends.
- Reinheit des eingesetzten Rohstoffs: nicht dokumentiert. Das einstufige Herstellverfahren erzeugt Nitrilotriessigsäure als Nebenprodukt; ob und in welchem Umfang sie im kosmetischen Rohstoff verbleibt, ist hier nicht geprüft.
- Beitrag von Salons zum EDTA-Eintrag in Gewässer: nicht bezifferbar. Der überwiegende Teil der veröffentlichten Frachten stammt aus industriellen Quellen und Waschmitteln, nicht aus Kosmetik.
- Direkter Leistungsvergleich mit besser abbaubaren Komplexbildnern: hier nicht mit Daten belegt.
- Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.
Quellen zur Einordnung
- University of Bristol, School of Chemistry, Molecule of the Month: Industrial Synthesis of EDTA (März 2004), zusammengefasst nach Ullmanns Encyclopedia of Industrial Chemistry, Band A10. Hochschulseite, abgerufen am 10.09.2026.
- Oviedo C., Rodríguez J.: EDTA — the chelating agent under environmental scrutiny. Química Nova 26 (2003), Heft 6, Seiten 901–905. Begutachtete Übersichtsarbeit, offener Zugang, abgerufen am 10.09.2026.
Verwandte Stoffe
Bezogen auf: Stabilisatoren und Antioxidantien
- 2,6-Dicarboxypyridine — Formulierungsbestandteil
- Ascorbic Acid — Antioxidans
- Etidronic Acid — Komplexbildner
Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.
Einordnung zuletzt geprüft:
Erfasst in folgenden Produkten
Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.
- Schwarzkopf IGORA ROYAL Absolutes
Belegquellen für das Vorkommen
- Hersteller Schwarzkopf Professional IGORA ROYAL Absolutes Offizielle Quelle öffnen