Ammonium Hydroxide
Erhöht den pH-Wert und unterstützt das Öffnen der Schuppenschicht.
Kurzübersicht
- Funktion
- Alkalisierungsmittel
- Herkunft
- Synthetisch / anorganisch
- Produktbereiche
- Haarfarbe, Glättungsmittel
Was es ist
Ammonium Hydroxide ist Ammoniak in Wasser gelöst, umgangssprachlich Salmiakgeist. In der Haarfarbe und in alkalischen Glättungssystemen ist es das Alkalisierungsmittel: Es hebt den pH-Wert der gebrauchsfertigen Mischung an, lässt das Haar aufquellen und schafft damit die Bedingung dafür, dass Farbvorprodukte und Wasserstoffperoxid im Haar arbeiten können. Der stechende Geruch entsteht, weil ein Teil des Ammoniaks flüchtig ist und aus der Mischung entweicht.
Genau diese Flüchtigkeit ist auch der Hintergrund der verbreiteten Aussage „ammoniakfrei“. Ammoniakfreie Systeme verwenden andere Alkalisierungsmittel, meist Ethanolamine. Diese riechen kaum, sind aber nicht flüchtig. „Ohne Ammoniak“ ist deshalb zunächst eine Aussage über den Geruch und über den eingesetzten Rohstoff — nicht automatisch eine Aussage über Milde.
Einordnung
- Ergebnis
- Erhöhte Aufmerksamkeit
- Vertrauen
- mittel
- Evidenz
- C — begrenzte Evidenz
- Bezogen auf
- Kosmetik, professionelle Anwendung in Haarfarbe und Glättung; gebrauchsfertige Mischung mit begrenzter Einwirkzeit, anschließend ausgespült; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert
Warum
- Wirksam ist der pH-Wert, nicht der Name des Stoffes. Jedes Alkalisierungsmittel lässt das Haar quellen; darauf beruht die oxidative Färbung überhaupt erst. Ein Wechsel des Alkalisierungsmittels ändert Geruch und Verarbeitung, nicht das zugrunde liegende Prinzip.
- Hazard und Risiko sind hier auseinanderzuhalten. Konzentrierter Ammoniak ist ätzend und reizt Augen und Atemwege stark; das ist die Eigenschaft des Rohstoffs. In der gebrauchsfertigen Mischung liegt er verdünnt vor und wirkt über eine begrenzte Zeit. Beide Aussagen stimmen gleichzeitig, sie beschreiben unterschiedliche Situationen.
- Die im Salon wichtigste Größe ist nicht die einzelne Kundin, sondern der Raum. Ammoniak entweicht in die Luft, und die Belastung entsteht über viele Anwendungen am Tag. Lüftung, Anmischen im gut belüfteten Bereich und Absaugung wirken hier stärker als die Frage, welche Marke im Regal steht.
- Warum die Einordnung „erhöhte Aufmerksamkeit“ lautet: wegen des Reizpotenzials für Augen und Atemwege und wegen der alkalischen Wirkung auf die Kopfhaut. Sie beruht nicht auf einer belegten Langzeitfolge und stellt nicht fest, dass eine sachgemäß durchgeführte Anwendung schadet.
- Ein Verzicht ist keine neutrale Rückfalloption. Wird auf Ammoniak verzichtet, tritt ein anderes Alkalisierungsmittel an seine Stelle, das eigene Eigenschaften mitbringt. Die Entscheidung ist damit eine Abwägung zwischen Geruch und Raumluftbelastung einerseits und den Eigenschaften des Ersatzstoffes andererseits — der alkalische Schritt selbst entfällt nicht.
Wann die Einordnung abweicht
- Empfindliche, gereizte oder verletzte Kopfhaut: Alkalische Mischungen brennen dort eher. Maßgeblich ist der Zustand der Kopfhaut vor der Anwendung, nicht allein die Rezeptur.
- Asthma und atemwegsempfindliche Personen — Kundinnen wie Mitarbeitende: Hier ist der Geruch nicht nur unangenehm, sondern kann Beschwerden auslösen. Das ist der wichtigste Fall, in dem die Einordnung abweicht.
- Augenkontakt: Beim Anmischen und Auftragen praktisch relevant. Schutzausrüstung und die Hinweise des Herstellers sind maßgeblich.
- Berufliche Exposition über Jahre: eine andere Frage als die einzelne Anwendung. Sie ist hier nicht bewertet, ist aber der Grund, warum Lüftung im Salon ein Arbeitsschutzthema und keine Komfortfrage ist.
- Schwangerschaft: eine häufige Frage im Salon, hier nicht bewertet. Maßgeblich sind ärztliche und betriebsärztliche Auskunft.
Offene Punkte
- Konzentration in der gebrauchsfertigen Mischung: liegt nicht vor. Sie ist für die Einordnung entscheidend, weil sie sich zwischen Produkt und Mischungsverhältnis deutlich unterscheiden kann.
- Regulatorischer Stand: Für Ammoniak in kosmetischen Mitteln bestehen Regelungen zu Höchstmengen und Kennzeichnung. Sie sind hier nicht geprüft und werden bewusst nicht aus zweiter Hand zitiert.
- Vergleich Ammoniak und Ethanolamine hinsichtlich Haarschädigung, Kopfhautverträglichkeit und Raumluft: hier nicht ausgewertet. Die obige Aussage betrifft Flüchtigkeit und Geruch, sie stellt keine Rangfolge der Verträglichkeit auf.
- Daten zur tatsächlichen Belastung der Raumluft in Salons: nicht ausgewertet. Die Aussage zur Lüftung ist eine fachliche Einordnung des Expositionswegs, keine Auswertung von Messreihen.
Verwandte Stoffe
Bezogen auf: Alkalisierungs- und pH-Stellmittel
- Aminomethyl Propanol — Formulierungsbestandteil
- Ammonium Bicarbonate — pH-Puffer, Alkalisierung
- Citric Acid — pH-Regulator und Komplexbildner
Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.
Einordnung zuletzt geprüft:
Erfasst in folgenden Produkten
Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.
- Schwarzkopf IGORA ROYAL Absolutes
- Schwarzkopf Strait Styling Glatt
Belegquellen für das Vorkommen
- Hersteller Schwarzkopf Professional IGORA ROYAL Absolutes Offizielle Quelle öffnen
- Hersteller Schwarzkopf Professional Strait Styling Glatt Offizielle Quelle öffnen