Inhaltsstoff

Citric Acid

Reguliert den pH-Wert und stabilisiert die Formulierung.

Kurzübersicht

Funktion
pH-Regulator und Komplexbildner
Herkunft
Fermentativ hergestellt
Produktbereiche
Haarpflege, Haarstyling, Glättungsmittel

Was es ist

Citronensäure ist der Stoff, mit dem in der Kosmetik der pH-Wert eingestellt wird. Sie steht deshalb in fast jedem Shampoo, meist ganz am Ende der Zutatenliste. Haar und Kopfhaut sind von Natur aus leicht sauer; Reinigung, Farbe und Umformung verschieben den pH-Wert nach oben. Citronensäure bringt ihn wieder nach unten.

Die zweite Funktion ist im Salon oft die wichtigere: Citronensäure bindet Metallionen. Calcium und Magnesium aus hartem Wasser, Eisen und Kupfer aus Leitungen lagern sich am Haar an und stören sowohl das Farbergebnis als auch die Haltbarkeit einer Rezeptur. Produkte, die mit Entkalkung werben, arbeiten genau mit dieser Eigenschaft.

Einordnung

Ergebnis
Sehr niedriges Risiko
Vertrauen
mittel
Evidenz
C — begrenzte Evidenz
Bezogen auf
Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; überwiegend ausspülbare Produkte, in geringer Menge zur pH-Einstellung; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert

Warum

  • Herkunft korrigiert: Das Kurzfeld nannte bis zu dieser Einordnung Zitrusfrüchte als Herkunft. Für die technisch verwendete Citronensäure trifft das nicht zu. Sie wird seit rund hundert Jahren durch Fermentation mit dem Schimmelpilz Aspergillus niger hergestellt und nicht aus Früchten gewonnen. Das Kurzfeld wurde deshalb in allen vier Sprachen auf „fermentativ hergestellt“ geändert.
  • Am Molekül ändert das Herstellverfahren nichts. Die fermentativ gewonnene Citronensäure ist mit der aus der Zitrone identisch. Genau deshalb spielt die Herkunft für das Ergebnis dieser Einordnung keine Rolle — sie wird als Sachinformation korrigiert, nicht als Bewertung.
  • Warum die Einordnung „sehr niedriges Risiko“ lautet: Citronensäure ist eine schwache organische Säure, die im Stoffwechsel jeder menschlichen Zelle vorkommt. In Haarprodukten steht sie in kleiner Menge und dient dazu, den pH-Wert in den leicht sauren Bereich zu bringen — also dorthin, wo Haut und Haar ohnehin liegen. Ausspülbare Anwendung und kurze Kontaktzeit kommen hinzu.
  • Entscheidend ist nicht der Stoff, sondern der eingestellte pH-Wert. Dieselbe Säure kann in hoher Konzentration die Haut reizen und wird in der Hautpflege als Fruchtsäure zum Abtragen der obersten Hornschicht eingesetzt. In der Rolle als pH-Regulator ist genau das nicht beabsichtigt. Aus der Zutatenliste ist die Rolle nicht ablesbar — die Position ganz am Ende ist ein Hinweis, kein Beleg.
  • Für die Praxis am wichtigsten ist die Bindung von Metallionen. Freie Eisen- und Kupferspuren beschleunigen den Zerfall von Wasserstoffperoxid und führen zu ungleichmäßigen Farb- und Aufhellergebnissen. Citronensäure fängt einen Teil davon ab. Wie groß dieser Anteil in einem konkreten Produkt ist, hängt von Menge und Wasserhärte ab und steht nirgends.

Wann die Einordnung abweicht

  • Gereizte oder offene Kopfhaut: Jede Säure brennt auf verletzter Haut. Nach einer Blondierung oder bei bestehenden Ekzemen ist das ein praktischer Punkt, kein toxikologischer.
  • Augenkontakt: Saure Zubereitungen reizen die Augen stärker als neutrale. Bei Kindern und beim Rückwärtswaschen am Becken relevant.
  • Produkte, die auf Haut oder Haar verbleiben: Die Einordnung geht von ausspülbarer Anwendung aus. In Leave-on-Produkten zählt der eingestellte pH-Wert stärker.
  • Sehr weiches oder sehr hartes Wasser: Bei hartem Wasser wird die Entkalkungsleistung gefordert und die Säure schneller verbraucht; bei weichem Wasser wirkt dieselbe Menge stärker auf den pH-Wert.
  • Schimmelpilzallergie: Die Frage taucht wegen des Herstellverfahrens regelmäßig auf. Das fertige Erzeugnis ist ein gereinigter Stoff und kein Pilzbestandteil; Rückstände aus der Fermentation sind hier nicht geprüft und werden nicht aus zweiter Hand behauptet.

Offene Punkte

  • Konzentration und tatsächlich eingestellter pH-Wert im konkreten Produkt: liegen nicht vor. Beides bestimmt die Verträglichkeit stärker als der Stoff selbst.
  • Reinheit des eingesetzten Rohstoffs und mögliche Rückstände aus der Fermentation: nicht dokumentiert und aus der Zutatenliste nicht ablesbar.
  • Anteil der Metallbindung am Gesamteffekt eines Entkalkungsprodukts: nicht bezifferbar. Solche Produkte enthalten meist mehrere Komplexbildner nebeneinander.
  • Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.

Quellen zur Einordnung

Bezogen auf: Alkalisierungs- und pH-Stellmittel

Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.

Einordnung zuletzt geprüft:

Erfasst in folgenden Produkten

Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.

  • Alle Shampoos
  • Status Quo, Aqua Boost, Power Build, Soothe Plus, Keep Curl, Rep-Hair
  • Keep Curl, Power Build Treatment, Power Build Revamp, Aqua Boost, Soothe Plus
  • Wella Elements Renewing Shampoo
  • Wella Nutricurls Micellar Curls Shampoo
  • Kérastase Première Bain Décalcifiant Réparateur
  • Kérastase Chroma Absolu Bain Chroma Respect
  • Schwarzkopf SESSION LABEL The Definer
  • Schwarzkopf Strait Styling Glatt

Belegquellen für das Vorkommen

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