Cocamidopropyl Betaine
Sorgt für milde Reinigung und Schaumbildung.
Kurzübersicht
- Funktion
- Mildes Tensid, Reinigung
- Herkunft
- Pflanzlich (Kokosöl)
- Produktbereiche
- Haarpflege, Haarstyling
Was es ist
Cocamidopropyl Betaine ist ein amphoteres Tensid: Es trägt je nach pH-Wert eine positive oder eine negative Ladung. In Shampoos steht es selten allein, sondern begleitet stärkere Tenside wie Sodium Laureth Sulfate. Es verbessert den Schaum, macht die Reinigung insgesamt verträglicher und wirkt zugleich leicht pflegend.
Bemerkenswert ist dieser Stoff aus einem anderen Grund: Er gilt als mildes Tensid und steht zugleich auf den Listen der dokumentierten Kontaktallergene. Beides stimmt — die Erklärung liegt darin, dass die allergische Reaktion in der Regel nicht dem Tensid selbst gilt, sondern Begleitstoffen aus der Herstellung, die in geringen Mengen im Rohstoff verbleiben können.
Einordnung
- Ergebnis
- Erhöhte Aufmerksamkeit
- Vertrauen
- mittel
- Evidenz
- C — begrenzte Evidenz
- Bezogen auf
- Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; überwiegend ausspülbare Reinigungsprodukte; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert
Warum
- Der scheinbare Widerspruch löst sich über die Reinheit des Rohstoffs. Nach heutigem Verständnis richtet sich die Sensibilisierung überwiegend gegen Zwischen- und Nebenprodukte der Herstellung, nicht gegen das Tensid selbst. Zwei Produkte mit identischer Zutatenliste können sich deshalb unterscheiden — je nachdem, wie sauber der eingesetzte Rohstoff ist.
- Warum die Einordnung „erhöhte Aufmerksamkeit“ lautet: wegen der dokumentierten Rolle als Kontaktallergen, nicht wegen eines Reizpotenzials. Sie stellt ausdrücklich nicht fest, dass der Stoff für die Allgemeinheit riskant ist — für die große Mehrheit ist er gut verträglich.
- „Mild“ ist eine Aussage über die Reinigungswirkung, nicht über das allergene Potenzial. Beide Eigenschaften stehen nebeneinander und heben sich nicht auf. Genau diese Unterscheidung fehlt in der üblichen Werbung mit dem Wort „mild“.
- Die Anwendung ist ausspülbar und kurz. Das begrenzt die Exposition deutlich gegenüber einem Produkt, das auf der Haut bleibt — der Grund, warum die Einordnung trotz Allergenstatus nicht höher ausfällt.
- Für den Salon ist der praktische Zugang klar umrissen: Bei wiederkehrenden Kopfhautbeschwerden, die sich keinem anderen Bestandteil zuordnen lassen, gehört dieser Stoff zu den Kandidaten, die eine ärztliche Abklärung prüfen kann. Ohne solche Beschwerden ergibt sich kein Handlungsbedarf.
Wann die Einordnung abweicht
- Dokumentierte Allergie gegen diesen Stoff: Dann ist das Produkt für diese Person nicht geeignet. Das ist eine Aussage über die Person, nicht über die Qualität des Produkts.
- Wiederkehrende Kopfhautbeschwerden ohne erkennbare andere Ursache: Anlass für eine ärztliche Abklärung, bei der dieser Stoff zu den zu prüfenden Kandidaten gehört.
- Gereizte, verletzte oder entzündete Kopfhaut sowie Neurodermitis: Über eine gestörte Hautbarriere ist die Aufnahme erhöht.
- Produkte, die auf der Haut verbleiben: längere Exposition als bei einem Shampoo; die Einordnung geht von ausspülbarer Anwendung aus.
- Beruflicher Kontakt: tägliches Waschen vieler Köpfe bedeutet Feuchtarbeit und häufigen Tensidkontakt an den Händen. Hautschutz ist hier das Thema.
Offene Punkte
- Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor.
- Reinheit des eingesetzten Rohstoffs: nicht dokumentiert und aus der Zutatenliste grundsätzlich nicht ablesbar. Sie ist nach heutigem Verständnis der entscheidende Punkt, lässt sich aber weder für die Kundin noch für den Salon prüfen.
- Herkunftsangabe im Kurzfeld: Dort steht „Pflanzlich (Kokosöl)“. Der Stoff wird synthetisch aus Fettsäuren hergestellt, die aus Kokosöl stammen können; die Formulierung nennt nur den Rohstoff, nicht das Verfahren. Nach Entscheidung vom 08.09.2026 bleibt die Angabe unverändert; der Punkt bleibt hier dokumentiert.
- Daten zur Häufigkeit der Sensibilisierung: hier nicht ausgewertet. Die Einordnung folgt der dokumentierten Rolle als Kontaktallergen.
- Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.
Verwandte Stoffe
Bezogen auf: Tenside
- Sodium Laureth Sulfate — Anionisches Tensid
Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.
Einordnung zuletzt geprüft:
Erfasst in folgenden Produkten
Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.
- Alle Shampoos
- Wella Elements Renewing Shampoo
- Wella Nutricurls Micellar Curls Shampoo
- Kérastase Première Bain Décalcifiant Réparateur
- Kérastase Chroma Absolu Bain Chroma Respect
- Matrix Setter Mousse
Belegquellen für das Vorkommen
- Manual OCS Salon Manual Care 2026 Vom Auftraggeber bereitgestelltes Fachmanual
- Hersteller Wella Professionals Elements Renewing Shampoo Offizielle Quelle öffnen
- Hersteller Wella Professionals Nutricurls Micellar Curls Shampoo Offizielle Quelle öffnen
- Hersteller Kérastase Première Bain Décalcifiant Réparateur Offizielle Quelle öffnen
- Hersteller Kérastase Chroma Absolu Bain Chroma Respect Offizielle Quelle öffnen
- Hersteller Matrix Setter Mousse Offizielle Quelle öffnen