2,4-Diaminophenoxyethanol HCl
Bildet im Oxidationsprozess Farbpigmente.
Kurzübersicht
- Funktion
- Oxidativer Farbstoffvorläufer
- Herkunft
- Synthetisch
- Produktbereiche
- Haarfarbe
Was es ist
2,4-Diaminophenoxyethanol HCl ist ein aromatisches Amin und wird in dauerhaften Haarfarben als Entwicklerkomponente eingesetzt — fachlich als oxidativer Farbstoffvorläufer bezeichnet. Der Zusatz „HCl“ steht für die Hydrochlorid-Form, ein Salz, das den Stoff besser löslich und lagerstabil macht. Die Herkunft ist synthetisch. Das ist eine Sachinformation und keine Bewertung.
Der Stoff färbt für sich genommen nicht. Erst wenn die Farbcreme mit dem Oxidationsmittel (üblicherweise Wasserstoffperoxid) gemischt wird, wird er oxidiert und reagiert im Haar mit sogenannten Kupplern zu größeren, farbigen Molekülen. Diese entstehen erst im Haarinneren und sind zu groß, um leicht wieder auszuwaschen — das ist der Grund, warum Oxidationsfarben dauerhaft sind. Nach der Einwirkzeit und dem Ausspülen ist der reaktive Ausgangsstoff weitgehend verbraucht.
Einordnung
- Ergebnis
- Erhöhte Aufmerksamkeit
- Vertrauen
- mittel
- Evidenz
- C — begrenzte Evidenz
- Bezogen auf
- Kosmetik, oxidative Haarfarbe, professionelle Anwendung mit begrenzter Einwirkzeit und anschließendem Ausspülen
Warum
- Warum nicht „niedriges Risiko“: Oxidative Farbstoffvorläufer sind die Stoffgruppe, wegen der Haarfarben überhaupt Allergiewarnhinweise tragen. Aromatische Amine dieser Art können eine Kontaktsensibilisierung auslösen — also die Bereitschaft des Immunsystems, bei weiterem Kontakt zu reagieren. Diese Einordnung gilt der Stoffgruppe; substanzspezifische Prüfdaten wurden hier nicht ausgewertet.
- Sensibilisierung ist nicht dasselbe wie Reizung. Eine Reizung klingt nach Ende des Kontakts ab. Eine einmal erworbene Sensibilisierung bleibt in der Regel bestehen und kann bei jedem weiteren Kontakt erneut Beschwerden auslösen. Genau deshalb steht hier „erhöhte Aufmerksamkeit“ und nicht „niedriges Risiko“.
- Exposition: Der Stoff wird nicht pur aufgetragen. Er liegt in der Farbcreme vor, wird unmittelbar vor der Anwendung mit dem Oxidationsmittel gemischt, wirkt begrenzte Zeit ein und wird ausgespült. Während der Reaktion wird der reaktive Ausgangsstoff weitgehend umgesetzt. Die Exposition gegenüber der unreagierten Form ist damit auf die Anwendungsdauer begrenzt.
- Hazard und Risiko trennen: Das Sensibilisierungspotenzial ist eine Eigenschaft des Stoffes. Ob daraus im Einzelfall ein Problem wird, hängt von vorbestehender Sensibilisierung, Hautzustand, Kontaktintensität und Häufigkeit ab. Für einen Menschen ohne Haarfarben-Allergie und mit intakter Kopfhaut ist die fachgerechte Einmalanwendung etwas anderes als täglicher Hautkontakt.
- Berufliche Anwendung ist der eigentliche Unterschied: Wer im Salon mehrfach täglich mit Farbcreme umgeht, hat eine völlig andere Expositionslage als eine Kundin, die sich einige Male im Jahr färben lässt. Handschutz und Arbeitsweise sind hier der entscheidende Faktor, nicht die Stoffeigenschaft allein.
- Ohne Konzentrationsangabe bleibt das strenggenommen eine Aussage über die Stoffeigenschaft und keine Risikoaussage für ein bestimmtes Produkt. Die Einsatzmenge im konkreten Produkt liegt hier nicht vor.
Wann die Einordnung abweicht
- Bekannte Haarfarben-Allergie: Wer bereits auf Oxidationsfarben reagiert hat, gehört dermatologisch abgeklärt. Für diese Personengruppe ist das Produkt nicht geeignet — unabhängig davon, wie das Produkt insgesamt einzuordnen ist.
- Verletzte, entzündete oder frisch gereizte Kopfhaut: Eine gestörte Hautbarriere verändert die Aufnahme und damit die Einordnung. Herstellerhinweise zur Anwendung nach Kopfhautreizungen sind hier maßgeblich.
- Beruflich Tätige: wiederholter Kontakt über Jahre statt einzelner Anwendungen. Hier liegt der Schwerpunkt auf Arbeitsschutz, nicht auf der Produktbewertung.
- Anwendung außerhalb des vorgesehenen Zwecks: Oxidationsfarben für das Kopfhaar sind nicht für Wimpern und Augenbrauen bestimmt. Eine solche Anwendung ist von dieser Einordnung nicht abgedeckt.
- Kinder und Jugendliche: Die Produkte sind für die Anwendung bei Erwachsenen vorgesehen. Abweichende Anwendungen sind hier nicht bewertet.
Offene Punkte
- Regulatorischer Stand: Hier wird bewusst keine Höchstmenge, kein Anhang-Verweis und keine Kennzeichnungspflicht aus zweiter Hand genannt. Für eine belastbare Angabe ist der Eintrag in der EU-Datenbank CosIng mit Datum zu prüfen.
- Substanzspezifische Sensibilisierungsdaten liegen hier nicht vor. Die Einordnung stützt sich auf das Wissen zur Stoffgruppe der oxidativen Farbstoffvorläufer, nicht auf geprüfte Einzelstoffdaten.
- Kreuzreaktivität mit anderen aromatischen Aminen ist nicht bewertet.
- Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor.
- Umweltdaten: nicht geprüft.
Verwandte Stoffe
Bezogen auf: Farbstoffvorläufer und Kuppler
- 2,7-Naphthalenediol — Kuppler für oxidative Haarfarbe
- 2-Methylresorcinol — Kuppler für oxidative Haarfarbe
- 4-Chlororesorcinol — Kuppler für oxidative Haarfarbe
- Resorcinol — Kuppler für oxidative Haarfarbe
Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.
Einordnung zuletzt geprüft:
Erfasst in folgenden Produkten
Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.
- Schwarzkopf IGORA ROYAL Absolutes
Belegquellen für das Vorkommen
- Hersteller Schwarzkopf Professional IGORA ROYAL Absolutes Offizielle Quelle öffnen