Inhaltsstoff

Behenamidopropyl Dimethylamine

Lagert sich im sauren Milieu der Rezeptur an das Haar an, neutralisiert Ladungen und erleichtert das Entwirren.

Kurzübersicht

Funktion
Conditioner, Antistatikum
Herkunft
Synthetisch (pflanzliche Fettsäuren)
Produktbereiche
Haarpflege

Was es ist

Behenamidopropyl Dimethylamine gehört wie Behentrimonium Chloride zu den kationischen Pflegestoffen, unterscheidet sich aber in einem wichtigen Punkt: Es ist kein dauerhaft geladenes Molekül, sondern ein Amin. Seine positive Ladung entsteht erst, wenn die Rezeptur sauer eingestellt ist. Erst dann lagert es sich an der negativ geladenen Haaroberfläche an.

Das hat eine praktische Folge: Der pH-Wert des Produkts ist hier keine Nebensache, sondern Voraussetzung für die Wirkung. Ansonsten ist das Prinzip dasselbe wie bei den dauerhaft geladenen Verwandten — der Stoff legt sich auf die Oberfläche, das Haar lässt sich leichter kämmen und lädt sich weniger auf. Auch hier wird nichts in der Faser repariert.

Einordnung

Ergebnis
Niedriges Risiko
Vertrauen
mittel
Evidenz
C — begrenzte Evidenz
Bezogen auf
Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; überwiegend ausspülbare Pflegeprodukte; Konzentration und pH-Wert nicht dokumentiert

Warum

  • Die Ladung hängt am pH-Wert. Ist die Rezeptur nicht sauer genug eingestellt, bleibt der Stoff weitgehend ungeladen und lagert sich schlechter an. Das ist der wesentliche Unterschied zu den dauerhaft geladenen Verwandten und erklärt, warum solche Produkte auf ihren pH-Wert angewiesen sind.
  • Das Wirkprinzip ist die Anlagerung. Der Stoff wirkt, weil er auf dem Haar verbleibt und die Oberfläche verändert — nicht, weil er in die Faser eindringt oder sie aufbaut.
  • Warum die Einordnung „niedriges Risiko“ lautet: wegen der äußerlichen Anwendung, der überwiegend ausspülbaren Produktarten, der kurzen Kontaktzeit und der Molekülgröße, die eine nennenswerte Aufnahme über die intakte Haut unwahrscheinlich macht.
  • Rohstoff und Produkt sind zu trennen. Der konzentrierte Rohstoff ist reizend; im fertigen Produkt liegt der Stoff verdünnt und teilweise als Salz mit einer Säure vor. Beide Beschreibungen stimmen, sie betreffen verschiedene Zustände.
  • Zur verbreiteten Aussage, aminbasierte Pflegestoffe seien „milder“ als quaternäre: Sie beschreibt einen Unterschied im Aufbau und im Verhalten bei unterschiedlichem pH-Wert. Eine belegte Rangfolge der Hautverträglichkeit ist damit nicht verbunden, und diese Einordnung stellt keine auf.

Wann die Einordnung abweicht

  • Gereizte, verletzte oder entzündete Kopfhaut: Die Einordnung gilt für intakte Haut.
  • Im Haar verbleibende Produkte gegenüber ausspülbaren: längere Kontaktzeit, bei Anwendung nahe am Ansatz auch längerer Kontakt mit der Kopfhaut.
  • Augenkontakt: reizend; beim Auftragen und Ausspülen praktisch relevant.
  • Feines Haar und häufige Anwendung: Ein Belag wird eher als beschwerend empfunden. Das betrifft das Ergebnis, nicht die Sicherheit.
  • Beruflicher Kontakt: tägliche Anwendung an vielen Köpfen gegenüber gelegentlicher Anwendung an einem.

Offene Punkte

  • Konzentration und pH-Wert des konkreten Produkts: liegen nicht vor. Beim pH-Wert ist das hier besonders relevant, weil er über die Wirksamkeit mitentscheidet.
  • Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.

Bezogen auf: Kationische Pflegestoffe

Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.

Einordnung zuletzt geprüft:

Erfasst in folgenden Produkten

Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.

  • Status Quo, Aqua Boost, Power Build, Soothe Plus
  • Power Build Treatment, Aqua Boost

Belegquellen für das Vorkommen

  • Manual OCS Salon Manual Care 2026 Vom Auftraggeber bereitgestelltes Fachmanual

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