Inhaltsstoff

Sodium Hydroxide

Stellt den pH-Wert für eine optimale Wirkung ein.

Kurzübersicht

Funktion
pH-Einsteller
Herkunft
Synthetisch
Produktbereiche
Haarpflege, Glättungsmittel

Was es ist

Natronlauge gehört zu den stärksten Stoffen, die in der Kosmetik überhaupt vorkommen — in konzentrierter Form ätzend, mit einem pH-Wert nahe 14. In diesem Lexikon steht sie in vier Produkten, und in allen vieren in einer ganz anderen Rolle: als pH-Steller in kleiner Menge, weit hinten in der Zutatenliste.

Das macht diesen Eintrag zum lehrreichsten Fall des Lexikons für die Frage, warum ein Stoffname allein nichts aussagt. Dieselbe Substanz ist in Glättungsprodukten vom Typ „Lye Relaxer“ der eigentliche Wirkstoff und dort für Verätzungen der Kopfhaut verantwortlich. Ein solches Produkt ist hier nicht dabei.

Einordnung

Ergebnis
Niedriges Risiko
Vertrauen
mittel
Evidenz
C — begrenzte Evidenz
Bezogen auf
Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; hier drei ausspülbare Pflegeprodukte und ein Glättungsmittel, in allen als pH-Steller in kleiner Menge; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert

Warum

  • Warum die Einordnung „niedriges Risiko“ lautet: In allen vier Produkten steht der Stoff weit hinten in der Liste und dient dazu, den fertigen pH-Wert einzustellen. Nach dieser Einstellung liegt er nicht mehr als Lauge vor, sondern in gelöster Form im Wasser der Rezeptur. Drei der vier Produkte sind ausspülbare Pflege.
  • Zur Einordnung gehört, was der Stoff anderswo tut. Eine begutachtete Übersichtsarbeit von 2024 fasst die Sicherheitslage chemischer Glättungsmittel zusammen: Bei Produkten auf Natronlaugenbasis sind Reizungen und Verätzungen der Kopfhaut durch die extreme Alkalität dokumentiert, in der Folge auch vernarbender Haarausfall. Das beschreibt eine Produktgattung und keinen Stoff — und diese Gattung ist hier nicht vertreten.
  • Das einzige Glättungsmittel im Bestand arbeitet anders, und das ist beim Schreiben dieser Einordnung eigens geprüft worden. Schwarzkopf Strait Styling Glatt enthält Ammonium Thioglycolate und Wasserstoffperoxid, also das Reduktions- und Oxidationsverfahren der Dauerwelle. Sodium Hydroxide steht auch dort nur als pH-Steller. Wer die Zutatenliste sieht und an einen Laugen-Glätter denkt, liegt falsch.
  • Ein Befund gegen die Intuition, der trotzdem hierher gehört: Eine südafrikanische Untersuchung hat den pH-Wert von 70 Glättungsmitteln gemessen, darunter als Kinderprodukt ausgelobte. Alle lagen in einem für die Haut ätzenden Bereich — auch die als „ohne Lauge“ beworbenen. Und das häufig empfohlene Untermischen einer Pflege ergab einen gemessenen pH-Wert von 13,8 und schützte die Kopfhaut nicht.
  • Herkunft korrigiert: Das Kurzfeld nannte „anorganisch“. Das ist eine Stoffklasse und keine Herkunftsangabe. Natronlauge wird großtechnisch durch Elektrolyse aus Kochsalzlösung gewonnen — der Rohstoff ist ein Mineral, das Verfahren ist industriell. Das Kurzfeld lautet jetzt in allen vier Sprachen „synthetisch“.

Wann die Einordnung abweicht

  • Gereizte oder verletzte Kopfhaut: Ein alkalischer Stoff fällt auf vorgeschädigter Haut stärker ins Gewicht, auch in kleiner Menge.
  • Beruflicher Kontakt: Wer täglich mischt und aufträgt, hat die höhere Gesamtbelastung an den Händen.
  • Produkte, die auf der Haut verbleiben: Die Einordnung geht für drei der vier Produkte von ausspülbarer Anwendung aus.
  • Wer ein Glättungsmittel auf Natronlaugenbasis anwendet: Dafür gilt diese Einordnung ausdrücklich nicht. Sie beschreibt den Stoff in der Rolle des pH-Stellers.
  • Sehr trockene oder poröse Haarstruktur: Alkalische Bedingungen lassen die Faser aufquellen; wie stark, hängt am eingestellten pH-Wert und nicht am Stoffnamen.

Offene Punkte

  • Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor.
  • Eingestellter pH-Wert der fertigen Rezeptur: nicht dokumentiert und aus der Zutatenliste nicht ablesbar. Er und nicht der Stoffname entscheidet über die Verträglichkeit.
  • Übertragbarkeit der Befunde zu Glättungsmitteln auf die hier geführten Produkte: ausdrücklich nicht gegeben. Die Befunde stehen im Text zur Einordnung und nicht als Bewertung dieser Produkte.
  • Anteil der Natronlauge am Gesamteffekt: nicht bezifferbar. In allen vier Produkten stehen weitere pH-wirksame Stoffe daneben, unter anderem Citronensäure.
  • Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.

Quellen zur Einordnung

Bezogen auf: Alkalisierungs- und pH-Stellmittel

Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.

Einordnung zuletzt geprüft:

Erfasst in folgenden Produkten

Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.

  • Soothe Plus
  • Kérastase Première Bain Décalcifiant Réparateur
  • Kérastase Chroma Absolu Bain Chroma Respect
  • Schwarzkopf Strait Styling Glatt

Belegquellen für das Vorkommen

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