Ätherische Öle im Salon sind weit mehr als nur ein angenehmer Duft in Pflege, Styling und Ritualen. Doch hinter einem natürlichen Aroma steckt deutlich mehr als eine angenehme Duftnote. Ätherische Öle entstehen aus Pflanzenmaterial, lassen sich aus unterschiedlichen Pflanzenteilen gewinnen und unterscheiden sich je nach Herkunft und Herstellungsverfahren.
Für Salonprofis ist dieses Grundlagenwissen interessant, weil es hilft, Begriffe verständlich einzuordnen und Fragen von Gästen fundierter zu beantworten. Dabei geht es nicht darum, aus einer Salonberatung eine Aromatherapie zu machen. Es geht vielmehr darum, zu verstehen, was hinter einer Essenz steckt und warum Herkunft, Gewinnung und Ausbeute einen Unterschied machen.
Was sind ätherische Öle im Salon eigentlich?
Vereinfacht gesprochen sind ätherische Öle flüchtige, aromatische Bestandteile von Pflanzen. „Flüchtig“ bedeutet, dass sich ihre Moleküle in der Luft verteilen können – deshalb nehmen wir ihren Duft wahr. Sie können aus verschiedenen Teilen einer Pflanze stammen; je nach Pflanzenmaterial gewinnt man sie vor allem durch Pressung oder Destillation.
Schon diese Definition macht deutlich: Ein ätherisches Öl ist nicht einfach „ein Duft“. Seine Zusammensetzung hängt dabei mit der Pflanze, dem verwendeten Pflanzenteil und dem Gewinnungsverfahren zusammen.
Eine Pflanze kann mehrere unterschiedliche Essenzen liefern
Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Bitterorangenbaum. Aus derselben Pflanzenart lassen sich unterschiedliche aromatische Essenzen gewinnen:
- aus der Blüte: Neroliöl,
- aus der Schale: Bitterorangenöl,
- aus dem Blatt: Petitgrainöl.
Der entscheidende Punkt für die Beratung: Der Name einer Pflanze allein sagt noch nicht alles. Auch der verwendete Pflanzenteil beeinflusst dabei, welche Essenz entsteht.
Ätherische Öle im Salon: Wie werden sie gewonnen?
Je nach Pflanzenmaterial kommen unterschiedliche Verfahren infrage. Drei Methoden verdeutlichen dabei die wichtigsten Unterschiede. Einen vertiefenden Überblick über alle gängigen Gewinnungsverfahren bietet zudem der Wikipedia-Artikel zu ätherischen Ölen.
1. Ätherische Öle im Salon gewinnen: Expression oder Kaltpressung
Bei der Expression presst man das Öl mechanisch aus dem Pflanzenmaterial heraus. Das Verfahren arbeitet ohne Hitze und ohne Lösungsmittel. Es eignet sich vor allem für Zitrusfrüchte. Deren ätherische Öle kommen in relativ gut zugänglichen Ölsäckchen nahe der Oberfläche der Schale vor.
Für das Duftprofil ist diese Methode besonders interessant, weil sie das Ausgangsmaterial vergleichsweise wenig verändert.
2. Wasserdampfdestillation
Bei der Wasserdampfdestillation strömt Dampf durch das Pflanzenmaterial. Der Dampf trägt dabei die flüchtigen aromatischen Bestandteile aus dem Material heraus. Anschließend kühlt das Gemisch ab und verflüssigt sich wieder. Da sich Öl und Wasser nicht dauerhaft miteinander verbinden, lässt sich das ätherische Öl trennen.
Das Verfahren arbeitet mit Wärme und kann den Duft gegenüber dem ursprünglichen Pflanzenmaterial stärker verändern als eine reine Pressung.
3. Ätherische Öle im Salon gewinnen: Lösungsmittelextraktion und Absolues
Pressung oder Dampfdestillation eignen sich nicht für jede aromatische Pflanze. Bei empfindlichen oder schwer zu gewinnenden Duftstoffen setzt man daher häufig eine Lösungsmittelextraktion ein. Dabei löst das Lösungsmittel zunächst aromatische Bestandteile zusammen mit weiteren Pflanzenbestandteilen. In weiteren Arbeitsschritten filtert man unerwünschte Bestandteile wie Wachse heraus und entfernt das Lösungsmittel beziehungsweise den Alkohol.
Fachleute bezeichnen das Ergebnis als Absolue. Die zugrunde liegende Schulungsunterlage nennt Rose, Jasmin und Vanille als Beispiele für solche Absolues.
Natürlich bedeutet vor allem: komplex
Natürliche Pflanzenessenzen können aus einer Vielzahl unterschiedlicher chemischer Bestandteile bestehen. Das Beispiel Rosmarin zeigt, wie komplex die natürliche Zusammensetzung sein kann. Die Pflanze enthält zahlreiche verschiedene aromatische und weitere natürliche Verbindungen.
Eine synthetisch aufgebaute Duftmischung kann dagegen gezielt mit deutlich weniger Einzelkomponenten arbeiten. Daraus sollten Salonprofis keine pauschale Wertung „natürlich ist gut, synthetisch ist schlecht“ ableiten. Für Salonprofis ist vielmehr wichtig zu verstehen, dass natürliche Aromaprofile sehr komplex sein können. Sie lassen sich dabei nicht auf eine einzelne Duftkomponente reduzieren.
Warum riecht das Ausgangsmaterial nicht immer genauso wie die fertige Essenz?
Das Gewinnungsverfahren beeinflusst, wie nah eine Essenz am ursprünglichen Aroma der Pflanze bleibt. Eine mechanische Pressung verändert das Rohmaterial vergleichsweise wenig. Dampfdestillation arbeitet dagegen mit Wärme und kann das aromatische Profil stärker verändern.
Auch deshalb können zwei Essenzen derselben oder einer ähnlichen Pflanze unterschiedlich wirken. Das gilt, obwohl beide ihren Ursprung im gleichen botanischen Material haben.
Warum sind ätherische Öle im Salon manchmal so teuer?
Ein wichtiger Preisfaktor ist die Ausbeute: Wie viel Pflanzenmaterial braucht man, um eine bestimmte Menge Öl zu gewinnen?
Bei Rosenöl ist die Ausbeute besonders gering. Die Schulungsunterlage nennt als Größenordnung etwa 1.000 Gewichtseinheiten Rosenblüten für eine Gewichtseinheit Öl. Bei Lavendel braucht man für dieselbe Ölmenge deutlich weniger Pflanzenmaterial. Das wirkt sich direkt auf die Rohstoffkosten aus.
Auch die Art des Anbaus und der damit verbundene Arbeitsaufwand können den Preis beeinflussen. Pflanzen aus besonders arbeitsintensiven Anbauformen verursachen dadurch höhere Produktionskosten.
Was bedeutet dieses Wissen für die Salonberatung?

Salonmitarbeiter müssen keine Chemiker oder Parfümeure sein. Einige gut verständliche Grundlagen können aber helfen, Kundengespräche kompetenter zu führen.
Statt bei einer Duftbeschreibung nur „Das riecht nach Orange“ oder „Das enthält Rosmarin“ festzustellen, kann eine Beratung einen Schritt weitergehen:
- Aus welchem Pflanzenteil stammt die Essenz?
- Wie wurde sie gewonnen?
- Warum kann ihr Aroma vom frischen Pflanzenmaterial abweichen?
- Warum sind bestimmte natürliche Essenzen deutlich kostspieliger als andere?
Solches Wissen schafft einen nachvollziehbaren Hintergrund. Es ersetzt keine individuelle Duftvorliebe und soll keinen Kunden mit Fachbegriffen überfordern. Der Mehrwert entsteht dann, wenn Salonprofis Fachwissen in eine einfache, verständliche Erklärung übersetzen. Wie sich Bedürfnisse und Prioritäten der Gäste dafür systematisch erfragen lassen, zeigt der Artikel Beratung im Friseursalon.
Wissen wird erst durch gute Kommunikation wertvoll
Für die Beratung im Salon gilt deshalb dasselbe wie bei vielen anderen Fachthemen. Nicht die Menge an Fachwissen entscheidet über die Qualität des Gesprächs. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, das relevante Wissen passend zur Frage des Gastes einzusetzen.
Wer versteht, wie eine pflanzliche Essenz entsteht, kann Herkunft, Gewinnung, Komplexität und Preis besser einordnen. Damit wird aus einem beiläufigen Duftthema eine Gelegenheit, Fachkompetenz sichtbar zu machen – sachlich, verständlich und ohne Verkaufsdruck.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.