Nachhaltigkeit im Salon ist längst mehr als ein Trendwort. Immer mehr Kundschaft achtet bewusst darauf, wie ein Salon mit Ressourcen, Abfall und Produkten umgeht, und trifft ihre Wahl entsprechend.
Dieser Artikel ergänzt den Artikel Rechtliche Pflichten im Salon, der die Kosmetikverordnung und Entsorgungspflichten aus juristischer Sicht behandelt. Hier stehen dagegen die praktischen Maßnahmen und die passenden Zertifizierungen im Mittelpunkt.
Warum Nachhaltigkeit im Salon zum Wettbewerbsfaktor wird

Bevor Kunden einen Termin buchen, informieren sie sich zunehmend über die Werte eines Salons. Denn Nachhaltigkeit wirkt dabei längst nicht mehr nur auf umweltbewusste Zielgruppen, sondern auf ein breites Publikum.
Gleichzeitig senken viele Maßnahmen direkt die Betriebskosten. Wer Wasser, Strom und Verbrauchsmaterial bewusster einsetzt, spart deshalb häufig schon im ersten Jahr spürbar Geld.
Ressourcen sparen: Wasser, Strom und Verbrauchsmaterial im Alltag
Wasserstellen verbrauchen im Salonalltag besonders viel, vor allem beim Ausspülen von Farbe und Pflege. Wassersparende Mischbatterien mit Durchflussbegrenzer reduzieren den Verbrauch spürbar, ohne den Komfort für die Kundschaft einzuschränken.
Beim Strom lohnt sich zunächst der Blick auf die Beleuchtung. LED-Technik verbraucht deutlich weniger Energie als klassische Halogenstrahler und hält zudem erheblich länger.
Ebenso wichtig ist der Umgang mit Föhnen, Trockenhauben und Stylinggeräten. Zeitschaltuhren und ein bewusstes Ausschalten außerhalb der Nutzung verhindern unnötigen Standby-Verbrauch über den ganzen Tag.
Abfall im Salon richtig trennen und reduzieren
Salons produzieren im Alltag mehrere unterschiedliche Abfallarten, die getrennt entsorgt werden müssen. Leere Verpackungen aus Kunststoff und Aluminium gehören grundsätzlich in die gelbe Tonne oder den gelben Sack.
Teilweise gefüllte Farbtuben, Sprühdosen und andere chemische Reste zählen dagegen zu den Problemstoffen. Diese gehören ausschließlich an eine kommunale Sammelstelle, nicht in den normalen Betriebsmüll.
Haarschnittabfälle wiederum gehören in die Biotonne, da die anfallenden Mengen für die private Kompostierung meist zu groß sind. Papier, Kartonagen und Flyer lassen sich problemlos über die Papiertonne entsorgen.
Haarschnittabfälle sinnvoll weiterverwenden: Ölbindung statt Restmüll
Besonders wenig bekannt ist die Weiterverwendung von Haarschnittabfällen zur Ölbindung. Denn Haare besitzen von Natur aus lipophile Eigenschaften und binden Öl dadurch besonders effektiv.
Ein Kilogramm Haar kann bis zu acht Kilogramm Öl aufnehmen und lässt sich mehrfach auswaschen und wiederverwenden. Initiativen wie die auf wir-lieben-recycling.de vorgestellten Sammelprogramme verarbeiten solche Abfälle zu Ölbindematten für Gewässer, Häfen und Krisensituationen.
Salons, die an einem solchen Programm teilnehmen möchten, wenden sich am besten direkt an eine regionale Sammelorganisation. Der Aufwand bleibt dabei überschaubar, da meist nur ein Sammelbehälter im Salon bereitgestellt wird.
Nachhaltige Produktauswahl: Worauf es bei Einkauf und Verpackung ankommt
Auch beim Einkauf lässt sich Nachhaltigkeit gezielt umsetzen. Großgebinde statt Einzelflaschen reduzieren Verpackungsmüll spürbar und senken gleichzeitig oft den Literpreis.
Nachfüllsysteme für Shampoo und Pflege gewinnen ebenfalls an Bedeutung, da sie denselben Behälter mehrfach nutzen. Wiederverwendbare Handtücher statt Einwegprodukte sparen zusätzlich Ressourcen und Kosten im laufenden Betrieb.
Wer gezielt nach umweltfreundlicheren Alternativen sucht, kann sich zudem an anerkannten Produktkennzeichnungen orientieren. Ein Beispiel dafür ist der Blaue Engel für Reinigungs- und Pflegeprodukte. Das deutsche Umweltzeichen bewertet dabei ausschließlich einzelne Produkte, nicht den gesamten Betrieb.
Zertifizierungen im Überblick: Ökoprofit, Blauer Engel und EMAS
Wer über die Produktebene hinausgehen möchte, findet im ÖKOPROFIT-Programm einen praxisnahen Einstieg. Das von Kommunen sowie Industrie- und Handelskammern getragene Programm begleitet Betriebe über mehrere Monate hinweg beim Aufbau eines eigenen Umweltmanagements.
Der Aufwand bleibt dabei überschaubar, da die Teilnahme meist durch kommunale Zuschüsse mitfinanziert wird. Am Ende steht eine Auszeichnung, die sich beispielsweise gut in der Kundenkommunikation nutzen lässt.
Wer ein formelles Umweltmanagementsystem anstrebt, sollte zudem EMAS in Betracht ziehen. Das EU-weite System verlangt eine geprüfte, öffentlich zugängliche Umwelterklärung und wird regelmäßig extern auditiert.
EMAS eignet sich dadurch besonders für Betriebe, die ihre Umweltleistung dauerhaft dokumentieren und kontinuierlich verbessern möchten. Der Aufwand liegt allerdings spürbar über dem eines reinen Einstiegsprogramms.
Nachhaltigkeit im Salon: Die B-Corp-Zertifizierung im Detail
Die umfassendste, aber auch anspruchsvollste Option ist die B-Corp-Zertifizierung. Sie bewertet nicht nur Umweltaspekte, sondern das gesamte Unternehmen anhand von Governance, Mitarbeitenden, Gemeinwesen, Umwelt und Kundschaft.
Bis Ende 2025 mussten Unternehmen dafür mindestens 80 von 200 Punkten im B Impact Assessment erreichen. Seit Januar 2026 gilt stattdessen ein neues Modell mit sieben Wirkungsbereichen, in denen jeweils eigene Mindeststandards erfüllt werden müssen.
Neu zertifizierte Unternehmen müssen dabei bereits zum Start, dem sogenannten Jahr 0, grundlegende Anforderungen erfüllen. Bestehende B Corps weisen zusätzlich in den Jahren 3 und 5 nachweisbare Fortschritte nach.
Für viele Rechtsformen verlangt B Corp außerdem eine Satzungsänderung, die den Stakeholder-Ansatz rechtlich verankert. Bei einer GmbH betrifft das üblicherweise den Gesellschaftsvertrag, mit entsprechendem Aufwand beim Notar.
Die Zertifizierungsgebühren richten sich nach dem Jahresumsatz und liegen in Deutschland zwischen 1.000 und 50.000 Euro pro Jahr. Für die meisten kleineren Salons dürfte B Corp deshalb eher ein langfristiges Ziel als ein kurzfristiger nächster Schritt sein.
Ein strukturierter Einstieg über ÖKOPROFIT oder gezielt eingesetzte Produktlabel wie den Blauen Engel schafft dagegen schon jetzt eine solide Grundlage. Spätere, größere Schritte lassen sich darauf gut aufbauen.
Checkliste: Nachhaltigkeit im Salonalltag umsetzen
- Wassersparende Mischbatterien an den Waschplätzen einsetzen
- LED-Beleuchtung und Zeitschaltuhren für Geräte nutzen
- Abfälle konsequent nach gelber Tonne, Biotonne und Problemstoffen trennen
- Haarschnittabfälle bei einer Sammelorganisation zur Ölbindung anmelden
- Großgebinde und Nachfüllsysteme statt Einzelverpackungen bevorzugen
- Passendes Programm wählen: ÖKOPROFIT als Einstieg, EMAS oder B Corp für weitergehende Ziele
Nachhaltigkeit im Salon: Typische Stolpersteine vermeiden
Ein häufiger Fehler ist es, Nachhaltigkeit ausschließlich als Marketingthema zu behandeln, ohne echte Maßnahmen dahinter. Kundschaft erkennt solche Lücken schnell, was dem Vertrauen mehr schadet als gar keine Kommunikation.
Ebenso riskant ist ein zu ambitionierter Einstieg, etwa der direkte Sprung zur B-Corp-Zertifizierung ohne Vorerfahrung. Ein schrittweises Vorgehen über einfachere Programme führt meist zuverlässiger zum Ziel.
Fazit: Nachhaltigkeit im Salon als langfristige Investition
Nachhaltigkeit im Salon lässt sich nicht an einem einzigen Tag umsetzen, wohl aber Schritt für Schritt aufbauen. Wer bei Ressourcen und Abfall beginnt, schafft die Grundlage für spätere Zertifizierungen. Nachhaltige Beschaffung beginnt bereits bei der Wahl des Lieferanten, wie der Artikel Lieferantenauswahl für Friseursalons zeigt.
Salons, die ihre Nachhaltigkeitsstrategie professionell entwickeln möchten, können jederzeit eine Zusammenarbeit mit TerraNova anfragen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.