Inhaltsstoff

p-Phenylenediamine

Bildet nach der Oxidation zusammen mit den Kupplern die dauerhaften Farbpigmente im Haar.

Kurzübersicht

Funktion
Oxidativer Farbstoffvorläufer
Herkunft
Synthetisch
Produktbereiche
Haarfarbe

Was es ist

p-Phenylendiamin, kurz PPD, ist der bekannteste Inhaltsstoff der Haarfarbe und zugleich ihr wichtigstes Allergen. Es ist eine Farbvorstufe: für sich genommen farblos, bildet es unter der Wirkung von Wasserstoffperoxid gemeinsam mit den Kupplern die Farbpigmente, die anschließend im Haar eingeschlossen bleiben.

Entscheidend ist, wann der Stoff allergen wirkt. Vollständig durchreagiertes PPD ist kein Sensibilisator. Der kritische Zustand ist die Zwischenstufe — das teilweise oxidierte Molekül während der Einwirkzeit. Das erklärt, warum bei diesem Stoff die Anwendung im Mittelpunkt steht und nicht das Ergebnis, und warum gründliches Ausspülen mehr zählt als jede Angabe auf der Packung.

Einordnung

Ergebnis
Erhöhte Aufmerksamkeit
Vertrauen
mittel
Evidenz
A — sehr gut belegt
Bezogen auf
Kosmetik, äußerliche Anwendung auf Haar und Kopfhaut; hier eine Haarfarbe, angerührt, aufgetragen und nach der Einwirkzeit ausgespült; die berufliche Belastung an den Händen ist ein eigener, hier ausdrücklich mitbewerteter Weg; Konzentration im Produkt nicht dokumentiert

Warum

  • Warum hier erstmals die Evidenzstufe A steht: Zu keinem anderen Stoff dieses Lexikons ist die Datenlage so breit. Eine bevölkerungsbezogene Untersuchung in fünf europäischen Ländern hat 10.425 Personen befragt und 2.739 davon im Epikutantest geprüft. Ergebnis: 0,8 Prozent Kontaktallergie gegen PPD. Dazu kommen systematische Übersichtsarbeiten und jahrzehntelange Testreihen aus Hautkliniken.
  • In den Hautkliniken sind die Zahlen ungleich höher — in Europa rund vier Prozent positive Testergebnisse unter den untersuchten Ekzempatientinnen und -patienten, in Nordamerika über sechs. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Gruppe: Wer in eine Hautklinik kommt, hat bereits ein Problem. Die 0,8 Prozent beschreiben die Bevölkerung, die vier Prozent eine vorausgewählte Gruppe.
  • Der überraschendste Befund derselben Bevölkerungsuntersuchung: Zwischen Haarfarbengebrauch und PPD-Allergie fand sich kein statistisch bedeutsamer Zusammenhang. Deutlich war dagegen ein anderer. Bei Personen mit schwarzen Hennatattoos lag die Allergierate bei 3,2 Prozent gegenüber 0,6 Prozent bei den übrigen. Solche Tattoos enthalten PPD in unbekannter, oft hoher Menge und in nicht ausreagierter Form — das ist der wirksamste bekannte Weg, einen Menschen gegen PPD zu sensibilisieren.
  • Die Folge zeigt sich erst Jahre später. Eine Fallserie beschreibt sieben Personen, die nach einem schwarzen Hennatattoo im Durchschnitt 6,2 Jahre später beim Färben ein allergisches Ekzem entwickelten. Fünf von ihnen reagierten zusätzlich auf andere Farbstoffe. Für die Beratung folgt daraus etwas Praktisches: Die Frage nach früheren Hennatattoos ist aufschlussreicher als die Frage nach früheren Färbungen.
  • Für Beschäftigte ist PPD ein Berufsrisiko und in der Fachliteratur ausdrücklich als Berufskrankheit im Friseurhandwerk geführt. Der Weg ist der Hautkontakt an den Händen beim Anrühren und Auftragen, nicht die Kopfhaut der Kundin. Das ist dasselbe Muster wie bei den Persulfaten, nur über die Haut statt über die Atemluft.

Wann die Einordnung abweicht

  • Bekannte PPD-Allergie: Dann ist das Produkt ungeeignet, ohne Abstufung. Reaktionen können schwer verlaufen, und das ist bei diesem Stoff keine Floskel.
  • Früheres schwarzes Hennatattoo: der wichtigste einzelne Risikofaktor. Er liegt oft Jahre zurück und wird von selbst selten erwähnt.
  • Kreuzreaktionen: Wer auf PPD reagiert, reagiert häufig auch auf verwandte Stoffe — Toluene-2,5-Diamine, p-Aminophenol, m-Aminophenol und weitere aromatische Amine. Ein Ausweichen auf eine andere Farbe derselben Stoffklasse hilft nicht zuverlässig.
  • Beschäftigte im Salon: tägliche Berührung beim Anrühren und Auftragen, über Jahre. Handschuhe sind hier keine Förmlichkeit.
  • Gereizte oder verletzte Kopfhaut: Über eine gestörte Barriere gelangt mehr Stoff in die Haut, und genau davon hängt die Sensibilisierung ab.

Offene Punkte

  • Konzentration im konkreten Produkt: liegt nicht vor.
  • Anteil des nicht ausreagierten PPD nach der Einwirkzeit: nicht bestimmbar. Er entscheidet über die tatsächliche Belastung und hängt an Einwirkzeit, Peroxidmenge und Gründlichkeit des Ausspülens.
  • Der auf der Packung empfohlene Selbsttest vor dem Färben: In der dermatologischen Literatur wird diskutiert, ob ein solcher Test selbst sensibilisieren kann. Diese Frage ist hier nicht ausgewertet und wird deshalb weder empfohlen noch abgeraten.
  • Einfluss der Haarfarbe der getesteten Bevölkerung auf die regionalen Unterschiede: In der Literatur angesprochen, hier nicht ausgewertet.
  • Regulatorischer Stand: nicht geprüft; Angaben zu Verwendung und Höchstmengen werden nicht aus zweiter Hand zitiert.

Quellen zur Einordnung

Bezogen auf: Farbstoffvorläufer und Kuppler

Weitere Stoffe derselben Gruppe, für die bereits eine ausführliche Einordnung vorliegt.

Einordnung zuletzt geprüft:

Erfasst in folgenden Produkten

Diese Liste dokumentiert, in welchen Produkten der Inhaltsstoff bei der Erfassung angegeben war. Sie ist keine Aussage über diese Produkte und keine Empfehlung. Hersteller ändern Rezepturen; maßgeblich ist stets die INCI-Angabe auf der aktuellen Verpackung.

  • OCS Colour Gel

Belegquellen für das Vorkommen

  • Manual OCS Salon Manual Colour 2026 Vom Auftraggeber bereitgestelltes Fachmanual

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