Benchmarking im Friseursalon bedeutet, die eigenen Zahlen nicht nur über die Zeit zu beobachten, sondern sie auch mit anderen Salons und mit Branchenwerten zu vergleichen. Denn erst dieser Vergleich zeigt, ob ein Wert wirklich gut, durchschnittlich oder verbesserungswürdig ist.
Der Artikel Die 7 wichtigsten Kennzahlen für einen wirtschaftlich gesunden Friseursalon beschreibt, welche Werte ein Salon regelmäßig prüfen sollte. Dieser Artikel baut darauf auf und zeigt außerdem, wie sich diese Werte sinnvoll einordnen lassen.
Warum Benchmarking im Friseursalon zwei Blickrichtungen braucht
Ein Kennzahlenwert allein sagt wenig aus. Beispielsweise kann ein Umsatz pro produktiver Stunde von 60 Euro für einen Salon hervorragend sein. Für einen anderen Salon ist er deutlich zu niedrig. Erst der Vergleich schafft Orientierung.
Benchmarking im Friseursalon funktioniert deshalb am besten aus zwei Blickrichtungen. Dabei vergleicht internes Benchmarking den eigenen Salon mit sich selbst über die Zeit. Externes Benchmarking vergleicht dagegen den Salon mit anderen Betrieben und mit dem Branchendurchschnitt.
Internes Benchmarking: Die eigene Entwicklung im Blick behalten
Internes Benchmarking braucht keine fremden Daten. Stattdessen vergleicht es den aktuellen Monat mit dem Vormonat, dem gleichen Monat im Vorjahr und der eigenen Zielplanung.
Diese Methode zeigt Trends besonders zuverlässig, weil Struktur und Preisniveau des eigenen Salons gleich bleiben. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob der erreichte Wert im Marktvergleich tatsächlich gut ist.
Externes Benchmarking im Friseursalon: Die eigenen Zahlen einordnen

Externes Benchmarking beantwortet genau diese Frage. Dazu setzt es die eigenen Kennzahlen in Bezug zu vergleichbaren Salons derselben Größenklasse und Region.
Eine verlässliche Quelle sind beispielsweise Betriebsvergleiche der Handwerkskammern. Viele Kammern und ihre Gewerbeförderungsstellen bieten Mitgliedsbetrieben eine kostenlose, anonymisierte Auswertung an. Dabei werden die eigenen Zahlen mit dem Durchschnitt der Branche und Größenklasse verglichen, etwa beim Angebot der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe.
Ergänzend liefert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) allgemeine wirtschaftliche Kennzahlen für das gesamte Handwerk. Frühere amtliche Kostenstrukturerhebungen speziell für Friseursalons hat das Statistische Bundesamt zuletzt für das Berichtsjahr 2018 veröffentlicht. Seither fließen die Daten in die laufende Dienstleistungsstatistik ein.
Wettbewerbsanalyse: Den lokalen Markt systematisch beobachten
Neben Kennzahlen lohnt sich der Blick auf die direkte Konkurrenz im eigenen Einzugsgebiet. Deshalb beobachtet eine strukturierte Wettbewerbsanalyse mehrere Salons über einen längeren Zeitraum, nicht nur einmalig.
- Preisniveau und Leistungsangebot der wichtigsten Wettbewerber
- Zielgruppe und Positionierung, etwa Premium, Mitte oder Discount
- Öffnungszeiten und Erreichbarkeit
- Besonderheiten im Service, etwa Beratungsqualität oder Zusatzleistungen
Ziel ist nicht, Preise einfach zu kopieren. Stattdessen zeigt der Artikel Preise im Friseursalon richtig kalkulieren, warum der wirtschaftliche Mindestpreis aus den eigenen Kosten entsteht. Der Wettbewerbsvergleich allein reicht dafür jedoch nicht aus.
Online-Präsenz und Bewertungen als Vergleichsgröße
Die Online-Präsenz gehört heute ebenfalls zur Wettbewerbsanalyse. Dazu zählen zum Beispiel die Anzahl und der Durchschnitt der Google-Bewertungen sowie die Aktivität in sozialen Netzwerken. Auch die Aktualität der eigenen Website lässt sich unkompliziert mit anderen Salons vergleichen.
Wichtiger als eine einzelne Momentaufnahme ist die Entwicklung über mehrere Monate. Denn ein Salon, der regelmäßig neue Bewertungen sammelt, wirkt langfristig glaubwürdiger als ein Salon mit wenigen, alten Einträgen.
Welche Kennzahlen sich am besten für den Vergleich eignen
Nicht jede Kennzahl eignet sich gleich gut für einen Vergleich zwischen Salons unterschiedlicher Größe. Absolute Werte wie der Gesamtumsatz hängen zum Beispiel stark von Teamgröße und Standort ab.
Verhältniszahlen wie die Personalkostenquote, die Wareneinsatzquote oder der Umsatz pro produktiver Stunde sind aussagekräftiger, weil sie die Betriebsgröße herausrechnen. Genau diese Werte eignen sich deshalb besonders gut für den externen Vergleich.
So läuft ein Betriebsvergleich über die Handwerkskammer ab
Der Ablauf ist bei den meisten Handwerkskammern und Gewerbeförderungsstellen ähnlich aufgebaut.
- Kontakt zur zuständigen Handwerkskammer oder Gewerbeförderungsstelle aufnehmen
- Fragebogen oder Online-Portal mit den eigenen Jahreszahlen ausfüllen
- Daten werden anonymisiert in den Vergleich der Größenklasse eingerechnet
- Auswertung mit Branchendurchschnitt und der eigenen Position erhalten
- Ergebnisse idealerweise gemeinsam mit einer betriebswirtschaftlichen Beratung interpretieren
Checkliste: In fünf Schritten zum eigenen Betriebsvergleich
- Eigene Kennzahlen aus dem Artikel zu den wichtigsten Kennzahlen bereithalten
- Zuständige Handwerkskammer oder Gewerbeförderungsstelle kontaktieren
- Drei bis fünf relevante Wettbewerber im Einzugsgebiet festlegen
- Online-Präsenz und Bewertungen der Wettbewerber dokumentieren
- Ergebnisse mindestens einmal jährlich aktualisieren
Benchmarking im Friseursalon: Typische Fehler vermeiden
Ein häufiger Fehler ist der Vergleich mit einer falschen Größenklasse. Beispielsweise lässt sich ein kleiner Salon mit zwei Stühlen nicht sinnvoll mit einem großen Salon mit zehn Mitarbeitern vergleichen.
Ebenso häufig bleibt Benchmarking eine einmalige Aktion statt eines festen Termins im Jahresablauf. Genauso riskant ist es, allein auf den niedrigsten Marktpreis zu schauen, statt die eigene Positionierung im Blick zu behalten.
Fazit: Benchmarking im Friseursalon als Frühwarnsystem
Benchmarking im Friseursalon ersetzt keine eigene Strategie, liefert aber wichtige Orientierung. Wer die eigene Entwicklung, den Branchendurchschnitt und den lokalen Wettbewerb regelmäßig vergleicht, erkennt Abweichungen frühzeitig und kann deshalb rechtzeitig handeln.
Salons, die ihre Zahlen strukturiert einordnen und daraus konkrete Maßnahmen ableiten möchten, können deshalb jederzeit eine Zusammenarbeit mit TerraNova anfragen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.