Finanzen & Kalkulation

Preise im Friseursalon: Richtig kalkulieren

Preise im Friseursalon richtig kalkulieren: eine praxistaugliche Methode von Zeitaufwand und Personalkosten bis zum Mindestpreis.

Preise im Friseursalon entstehen oft aus Marktvergleichen, Gewohnheit oder einem Aufschlag auf den bisherigen Preis. Das kann funktionieren – muss aber nicht. Eine belastbare Kalkulation beginnt im eigenen Unternehmen: bei den Kosten, der verfügbaren produktiven Zeit und dem wirtschaftlichen Ziel.

Preise im Friseursalon in fünf Schritten kalkulieren: Zeit, Personalkosten, Gemeinkosten, Material, Mindestpreis
Der Mindestpreis markiert die Untergrenze, nicht automatisch den Verkaufspreis.

Preise im Friseursalon: Warum der reine Stückpreis nicht genügt

Eine Leistung kann auf den ersten Blick teuer wirken und dennoch unrentabel sein. Entscheidend ist dabei, wie viel produktive Zeit sie beansprucht und welche Materialkosten entstehen. Ebenso wichtig ist, wie viel Gemeinkosten sie während dieser Zeit trägt.

Deshalb sollten Salons jede wichtige Dienstleistung mindestens anhand von vier Bausteinen betrachten: Zeit, Personal, Material und Gemeinkosten. Außerdem kommt ein angemessener Ergebnisanteil für Rücklagen, Investitionen und Unternehmerrisiko hinzu.

Schritt 1: Produktive Zeit realistisch ermitteln

Mitarbeiter berechnet mit Taschenrechner und Notizblock die Salonkalkulation
Realistische Preise entstehen am Rechner, nicht aus dem Bauchgefühl.

Die bezahlte Arbeitszeit entspricht nicht der verkaufbaren Zeit. Urlaub, Krankheit, Weiterbildung, Teamgespräche, Vor- und Nachbereitung sowie unvermeidbare Leerlaufzeiten reduzieren die produktiven Stunden.

Für die Kalkulation sollten Salons daher nicht mit der theoretischen Jahresarbeitszeit rechnen, sondern mit einer realistischen Zahl verkaufbarer Stunden. Setzt ein Salon diese Zahl zu hoch an, erscheinen die notwendigen Preise künstlich niedrig.

Schritt 2: Vollständige Personalkosten berücksichtigen

Zum Stundenlohn gehören Arbeitgeberanteile, bezahlte Ausfallzeiten, Sonderzahlungen und weitere personalbezogene Kosten. Zudem dürfen Salons den Unternehmerlohn nicht vergessen. Wer selbst am Kunden arbeitet, verursacht eine wirtschaftlich zu bewertende Arbeitsleistung – selbst wenn kein klassisches Gehalt ausgezahlt wird.

Schritt 3: Gemeinkosten auf produktive Stunden verteilen

Miete, Energie, Versicherungen, Software, Steuerberatung, Marketing, Reinigung, Reparaturen und Verwaltung lassen sich nicht direkt einer einzelnen Dienstleistung zuordnen. Die verkauften Stunden decken diese Kosten dennoch ab.

Salons teilen die jährlichen Gemeinkosten deshalb durch die realistisch verfügbaren produktiven Stunden. Dadurch entsteht ein Gemeinkostenanteil pro produktiver Stunde.

Schritt 4: Materialeinsatz je Leistung berechnen

Bei Farb- und Pflegeleistungen sollten Salons den durchschnittlichen Materialeinsatz möglichst konkret ermitteln. Dazu gehören nicht nur Farbe oder Blondierung, sondern auch Entwickler, Pflegeprodukte, Einwegmaterialien und weitere verbrauchsabhängige Bestandteile.

Bei stark unterschiedlichen Haarlängen oder Produktmengen sind Preisstufen oder transparente Zuschläge sinnvoller als ein Einheitspreis.

Preise im Friseursalon: Schritt 5 – den Mindestpreis berechnen

Ein vereinfachtes Kalkulationsmodell lautet:

Zeitanteil der vollständigen Personal- und Gemeinkosten + Materialkosten + Ergebnis- und Risikozuschlag = wirtschaftlicher Mindestpreis.

Der Mindestpreis ist noch nicht automatisch der endgültige Verkaufspreis. Marktpositionierung, Nachfrage, wahrgenommener Nutzen und Preisstruktur spielen ebenfalls eine Rolle. Er zeigt aber, unter welchem Wert Salons die Leistung langfristig nicht anbieten sollten.

Behandlungszeit und Einwirkzeit getrennt betrachten

Bei chemischen Dienstleistungen ist entscheidend, ob das Team während einer Einwirkzeit parallel eine andere Leistung durchführen kann. Nicht jede Minute blockiert die gleiche Ressource. Trotzdem müssen Salons Arbeitsplatz, Organisation und mögliche Assistenz berücksichtigen.

Eine gute Kalkulation bildet den realen Ablauf ab. Sie setzt weder pauschal die gesamte Aufenthaltsdauer als volle Arbeitszeit an, noch nur die direkte Handarbeit.

Preise im Friseursalon anpassen: So gelingt die Umsetzung

Zeigt die Kalkulation eine deutliche Lücke, muss nicht jede Leistung sofort um den gleichen Prozentsatz steigen. Salons können Leistungen mit besonders ungünstigem Verhältnis zwischen Zeit, Material und Preis priorisieren.

  • Preise in nachvollziehbaren Stufen anpassen
  • Leistungsbeschreibungen eindeutig formulieren
  • Zusatzaufwand transparent berechnen
  • Team und Kunden rechtzeitig informieren
  • Nach der Anpassung Umsatz, Auslastung und Kundenreaktionen beobachten

Preise im Friseursalon regelmäßig aktualisieren

Kosten, Löhne, Energiepreise, Produktpreise und Auslastung verändern sich. Eine Kalkulation ist deshalb kein einmaliges Projekt. Salons sollten sie mindestens einmal jährlich und bei größeren Kostenveränderungen überprüfen.

Das Ziel ist nicht der höchstmögliche Preis, sondern ein Preis, der Leistung, Positionierung und wirtschaftliche Realität dauerhaft miteinander verbindet.

Eine bewährte Methodik dazu bietet auch die Kostenrechnung und Kalkulation der Handwerkskammer zu Leipzig mit eigenen Rechenvorlagen für Stundenverrechnungssätze. Wie sich die eigene Kalkulation zusätzlich mit anderen Salons vergleichen lässt, zeigt der Artikel Benchmarking im Friseursalon.

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.

Individuelle Situation

Übertragen wir das Thema auf Ihren Salon.

In einem ersten Gespräch klären wir, welche Zahlen, Prozesse oder Entscheidungen für Ihre Situation relevant sind.

Zusammenarbeit anfragen