Fachtheorie & Praxiswissen

Haarfarbtheorie im Salon: Farbkreis und Restpigment

Farbkreis, Restpigment und Mischverhältnisse verständlich erklärt – die Coloration-Grundlagen für vorhersehbare Ergebnisse im Salon.

Haarfarbtheorie im Salon entscheidet oft darüber, ob eine Coloration beim ersten Versuch gelingt oder ob das Team anschließend nachkorrigieren muss. Ob Ansatzfärbung, Blondierung oder Farbkorrektur: Jede gelungene Coloration beruht dabei auf denselben physikalischen und chemischen Grundprinzipien. Das gilt entsprechend unabhängig davon, welche Marke am Ende im Mischbecher landet. Wer diese Grundlagen im Team sauber vermittelt, reduziert dadurch Reklamationen, spart Farbmaterial und sorgt zugleich für vorhersehbare Ergebnisse.

Dieser Artikel fasst dabei das wichtigste Fachwissen rund um Farbkreis, natürliches Restpigment, Oxidationsmittel und Mischverhältnisse zusammen. Er zeigt außerdem, wie sich Preise im Friseursalon richtig kalkulieren lassen, wenn der Materialverbrauch von Anfang an mitgedacht wird.

Farbkreis mit Komplementärfarben als Grundlage der Haarfarbtheorie im Salon
Gegenüberliegende Farben im Farbkreis neutralisieren sich gegenseitig.

Warum der Farbkreis die Basis der Haarfarbtheorie im Salon ist

Professionelle Haarfarben folgen dem Prinzip des Farbkreises: Jede Farbe besitzt dabei eine gegenüberliegende Komplementärfarbe, die sie neutralisiert. Dieses Prinzip zieht sich insgesamt durch nahezu alle am Markt erhältlichen Farbsysteme. Die Bezeichnungen der Nuancen variieren dabei von Hersteller zu Hersteller.

  • Blau neutralisiert Orange
  • Rot neutralisiert Grün
  • Violett neutralisiert Gelb/Gold

Der Merksatz dafür lautet: Es wird immer der Farbton neutralisiert, der auf der gegenüberliegenden Seite des Farbkreises steht. Konzentrate beziehungsweise Korrekturfarben machen sich genau dieses Prinzip zunutze. Sie lassen sich gezielt in eine Rezeptur einmischen, um unerwünschte Farbstiche zu korrigieren oder gewünschte Reflexe zu verstärken.

Wichtig für die Rezeptur: Konzentrate besitzen dabei in der Regel eine eigene Farbtiefe. Bei einer Korrektur auf Tonhöhe 7 sollte deshalb auch die Basisfarbe der Tonhöhe 7 entsprechen. Andernfalls verschiebt sich das Gesamtergebnis unkontrolliert.

Das natürliche Restpigment (NRP): Kern der Haarfarbtheorie im Salon

Jede natürliche Haarfarbe besteht dabei aus einer Mischung der Pigmente Eumelanin (braun-schwarz) und Phäomelanin (rot-gelb). Beim Aufhellen werden diese Pigmente nicht entfernt, sondern nacheinander freigelegt. Genau dadurch entstehen die typischen Unterton-Stufen, mit denen jede Coloration rechnen muss:

TonhöheBezeichnungSichtbares Restpigment
10WeißblondHellgelb
9LichtblondGelb
8HelleblondOrange/Gelb
7MittelblondOrange
6DunkelblondRot/Orange
5HellbraunRot
4MittelbraunViolett/Rot
3DunkelbraunViolett
2SchwarzbraunBlau/Violett
1SchwarzBlau

Dieses Stufensystem ist branchenweit etabliert – dabei arbeiten nahezu alle Profi-Farbhersteller mit denselben zehn Farbtiefen. Zusatzbezeichnungen wie Asch, Perl, Matt oder Cendré werden dabei je nach Marke unterschiedlich benannt. Wer das Restpigment der jeweiligen Tonhöhe kennt, kann dabei vorab einschätzen, welcher Unterton beim Aufhellen durchkommt. Gleichzeitig weiß er, mit welchem Korrekturton er ihn neutralisieren muss.

Farbtiefe und Farbrichtung im Coloration-Alltag

Zwei Werte beschreiben jede Coloration: die Farbtiefe zeigt dabei, wie hell oder dunkel der Zielton ausfällt (Stufen 1–10). Die Farbrichtung wiederum zeigt, welcher Reflex über der Basis liegt, beispielsweise Asch, Gold, Kupfer, Rot oder Mahagoni.

Natürliche Farbserien decken dabei dunklere Stufen meist zu 100 % ab. Viele Modetöne decken dagegen nur einen Weißhaaranteil bis rund 30–40 % zuverlässig ab. Bei stark ergrautem, resistentem Haar setzen deshalb viele Marken zusätzlich verstärkte Naturtonvarianten ein. Diese öffnen die Schuppenschicht intensiver und lagern das Pigment dadurch besser ein.

Entwickler und Oxidationsmittel richtig einordnen

Der Entwickler übernimmt zwei Aufgaben gleichzeitig: Er öffnet die Schuppenschicht, damit die Farbpigmente eindringen können. Gleichzeitig hellt er das natürliche Pigment auf. International kommen dabei zwei Maßeinheiten zum Einsatz, die sich leicht ineinander umrechnen lassen (Vol = Prozent × ca. 3,3):

ProzentVolumenTypischer Einsatzbereich
0 %0 VolVerdünner für andere Stärken, sanfte Auffrischungen
3 %10 VolTon-in-Ton-Färbung, dunkler färben
6 %20 VolStandard ab ca. 30–40 % Weißhaaranteil, Ton-in-Ton bis leicht heller
9 %30 Vol1–2 Stufen aufhellen
12 %40 Vol2–3+ Stufen aufhellen, nur mit entsprechender Erfahrung

Grundsätzlich gilt dabei: Je feiner oder vorgeschädigter das Haar ausfällt, desto niedriger sollte das Team die Entwicklerstärke wählen. Das schont die Haarstruktur. Kräftigeres, widerstandsfähigeres Haar benötigt dagegen meist mehr Oxidationskraft, damit ein sichtbares Ergebnis entsteht.

Wie sich Porosität und pH-Wert des Haares dafür gezielt einschätzen lassen, erklärt der Artikel Haarstruktur im Salon.

Aufhellen im Salon: Blondierung vs. Highlift-Technik

Für starke Aufhellungen stehen im Wesentlichen zwei Wege offen:

  1. Pulver- oder cremebasierte Blondierung – wird dabei meist im Verhältnis 1:2 mit dem Entwickler gemischt und ermöglicht die stärkste Aufhellung, oft 7–8 Stufen und mehr, unabhängig von der Ausgangstonhöhe.
  2. Highlift- beziehungsweise Super-Blondtöne – enthalten bereits eine geringe Pigmentierung und hellen bei Mischung mit einem starken Entwickler um bis zu 4 Stufen auf. Sie eignen sich vor allem ab einer natürlichen Ausgangsbasis von Tonhöhe 6 oder heller; bei dunklerem Naturhaar ist eine klassische Blondierung meist die zuverlässigere Wahl.

Mischverhältnisse im Überblick

Mitarbeiterin mischt Haarfarbe auf einer Waage nach Formulierungsanleitung
Exaktes Abwiegen sorgt für reproduzierbare Mischverhältnisse.

Auch wenn jeder Hersteller sein Produkt im Detail anders formuliert, haben sich dabei in der Branche folgende Grundverhältnisse etabliert:

  • Permanente Farbe zu Entwickler: meist 1:1, bei manchen Systemen bis 1:1,5
  • Highlift-Töne zu Entwickler: meist 1:2
  • Blondierpulver zu Entwickler: meist 1:2
  • Korrekturkonzentrate: üblicherweise 5–10 % der Rezeptur, in Ausnahmefällen bis zu 50 % je nach gewünschter Intensität

Diese Angaben dienen als Richtwerte, denn die exakten Verhältnisse variieren je nach Produktlinie. Sie gehören deshalb immer in die produktspezifische Anwendungsanleitung des jeweiligen Herstellers. Wer diese Verhältnisse konsequent einhält, vermeidet außerdem unnötigen Materialverbrauch. Das wirkt sich dabei direkt in der Preiskalkulation im Friseursalon aus.

Der Allergietest im Salon: Pflicht vor jeder Erstanwendung

Vor jeder Erstfärbung mit einem neuen Produkt gehört ein Sensibilitätstest zum Standard – unabhängig davon, welches Farbsystem zum Einsatz kommt:

  1. Eine kleine Hautstelle, etwa die Ellenbeuge oder der Bereich zwischen den Schulterblättern, wird gereinigt und getrocknet.
  2. Eine kleine Menge der unverdünnten Farbe kommt auf die Haut; eine Mischung mit Entwickler ist für den Test nicht notwendig.
  3. Das Produkt wirkt zwei Stunden ein, bevor die Kundin oder der Kunde es abwäscht. Danach sollten mindestens 48 Stunden vergehen, bevor die eigentliche Färbung erfolgt.

Treten Rötungen, Juckreiz, Brennen oder Schwellungen auf, darf das Team das Produkt dabei nicht anwenden. Bei anhaltenden Beschwerden sollte außerdem ärztlicher Rat folgen. Relevant für Allergiker sind vor allem zwei Stoffgruppen: PPD (p-Phenylenediamin) und PTDs (Toluylendiamine). Beide zählen dabei zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien bei oxidativen Haarfarben. Entsprechend bieten mittlerweile viele Hersteller PPD- und PTD-freie Farblinien sowie rein pflanzlich-direktziehende, oxidationsmittelfreie Tönungen als Alternative für sensibilisierte Kunden an. Weiterführende, unabhängige Informationen zu Kontaktallergien durch PPD und PTD bietet dabei der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). Weil eine saubere Aufklärung hier besonders zählt, lohnt sich außerdem ein Blick in den Artikel zur Beratung im Friseursalon.

Einwirkzeiten

Auch hier unterscheiden sich Produkte im Detail, dennoch gelten folgende Richtwerte aus der Praxis:

  • Ansatzfärbung mit permanenter Farbe: ca. 30–45 Minuten
  • Highlift- beziehungsweise Aufhellfarben: ca. 45–60 Minuten
  • Toner, Glossing oder Abmattierung: ca. 10–25 Minuten

Während der Einwirkzeit unterstützt eine Haube den Prozess, weil die entstehende Eigenwärme die Farbentwicklung fördert. Bei Folien- oder Haubentechniken sollte das Team trotzdem auf zusätzliche externe Wärmequellen verzichten, da sich sonst die Einwirkzeit unkontrolliert verkürzt.

Semi-permanente Farbauffrischer für den Salon

Neben klassischen oxidativen Farben haben sich dabei in vielen Salons rein semipermanente, PPD-/PTD-freie Tönungen etabliert. Sie ziehen dabei direkt und ohne Oxidationsprozess ins Haar ein und halten je nach Produkt zwischen etwa 3 und 30 Haarwäschen. Sie eignen sich insbesondere, um den Farbton zwischen zwei Salonterminen aufzufrischen. Außerdem bieten sie Kunden mit Allergie gegen oxidative Farbstoffe eine Alternative.

Inhaltsstoffe: Was moderne Haarfarbtheorie im Salon heute berücksichtigt

Die Zusammensetzung professioneller Haarfarben hat sich dabei in den letzten Jahren spürbar verändert. Viele Hersteller setzen inzwischen auf ammoniakfreie Systeme, bei denen andere alkalische Wirkstoffe die Schuppenschicht öffnen. Diese Systeme arbeiten dabei bei einem geringeren pH-Wert als klassisches Ammoniak. Hinzu kommen pflegende Zusätze wie hydrolysierte Proteine, Panthenol oder pflanzliche Extrakte. Sie spenden während der chemischen Behandlung Feuchtigkeit und unterstützen die Haarstruktur. Auch Antioxidantien wie Vitamin C kommen zum Einsatz und verlängern die Haltbarkeit der Farbmischung im geöffneten Zustand.

Ergänzende Hintergründe zu natürlichen Pflegewirkstoffen liefert dabei der Artikel Mehr als nur Duft: Was Salonprofis über ätherische Öle wissen sollten. Für Salons lohnt sich zudem ein Blick auf die vollständige Inhaltsstoffliste (INCI) der verwendeten Produkte. Das hilft sowohl bei der Beratung allergiegefährdeter Kunden als auch bei der eigenen Positionierung als Salon mit transparenter, bewusster Produktauswahl.

Fazit: Haarfarbtheorie im Salon als gemeinsames Fundament

Farbkreis, Restpigment-Tabelle, Entwicklerstärken und Mischverhältnisse bilden dabei das gemeinsame Fundament, auf dem praktisch jedes professionelle Farbsystem aufbaut. Ein Team, das Haarfarbtheorie im Salon sicher beherrscht, kann dabei Rezepturen nachvollziehen und Farbstiche gezielt korrigieren. Es arbeitet außerdem auch bei einem Wechsel der Produktlinie schnell produktiv, unabhängig davon, welche Marke gerade im Regal steht. Der Artikel Balayage, Foliensträhnen und Ombré zeigt diese Theorie direkt in der Anwendung. Wer das eigene Team dabei strukturiert weiterentwickeln möchte, kann jederzeit eine Zusammenarbeit mit TerraNova anfragen.

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.

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